Fintan Fäh

Aus Kloster-Engelberg
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P. Fintan Fäh 1908 (Foto: P. Franz Huber).

Fintan (Albert) Fäh (* 22. Mai 1841 in Benken; † 30. Oktober 1919 in Engelberg)

Lebensdaten

Profess: 17. November 1860

Priesterweihe: 25. Juli 1865

Ämter

Spiritual in Leiden Christi: 1866–1868

Lehrer in der Stiftsschule: 1868–1880, 1901–1902

Spiritual in Maria-Rickenbach: 1880–1891

Spiritual in Wonnenstein: 1891–1901, 1902–1919

Beziehungsnetz

Verwandtschaft

Sohn des Johann Jakob Fäh, Gemeindeamtmann, und der M. Josepha Wenk.

Verwandte: P. Plazidus Wissmann, P. Martin Wissmann.

Lebensbeschreibung[1]

Die Fäh stammen aus dem St. Gallischen Gasterland. P. Fintan wurde als Sohn des Johann Jakob Fäh, Gemeindeamtmann, und der M. Josepha Wenk, am 22. Mai 1841, als viertes von insgesamt 14 Kindern, in Benken geboren und auf den Namen Albert getauft.[2] P. Fintan war ein Verwandter der Brüder P. Plazidus und P. Martin Wissmann, die ebenfalls Mönche in Engelberg waren. Albert kam 1854 mit seinem Bruder Adolf, an die Engelberger Stiftsschule und trat nach Abschluss der fünften Gymnasialklasse 1859 ins Noviziat ein.[3]

Am 17. November 1860 legte er als Fr. Fintan, zusammen mit den Fratres Maurus Hunkeler, Nikolaus Frei, Martin Wissmann, Karl Anderhalden und Johann Baptist Troxler, Profess ab und absolvierte dann noch die 6. Klasse. Wie viele seiner Mitbrüder studierte er anschliessend in Einsiedeln Theologie und Philosophie. Am 25. Juli 1865 wurde er von Bischof Eugène Lachat von Basel in Solothurn zum Priester geweiht. Danach schloss er noch ein Jahr theologischer Ausbildung an der Engelberger Hauslehranstalt an. 1866 kam er als Spiritual zu den Innerrhoder Kapuzinerinnen des Klosters Leiden Christi in Gonten, wo er bis 1868 wirkte. Dann kehrte er nach Engelberg zurück, wo er als Lehrer der Erstklässler Latein und Deutsch unterrichtete und 1871 auch die Wetterstation betreute.

Im Januar 1880 wurde er als Spiritual in das Frauenkloster Maria-Rickenbach geschickt, wo er bis Ende Oktober 1891 elf gute Jahre verbracht hatte und im Nachhinein "unstreitig als einer der besten Beichtiger" genannt wurde.[4] Nach den unruhigen fünf Jahren mit zwei umstrittenen Seelsorgern in Maria Rickenbach, P. Josef Moos und P. Beda Horat, zeigte Abt Anselm Villiger mit der Entsendung von P. Fintan ein besseres Gespür. Es ist leider nur wenig bekannt über seine Tätigkeit bei den Rickenbacher Klosterfrauen. Dies darf durchaus als Ausdruck der Harmonie und des Einklangs zwischen den Schwestern und ihrem Seelsorger interpretiert werden. Ende Januar bezog er seine Dienstwohnung im Spiritualenhaus. 1879 reduzierte er die Gebetspflichten der Kinder im Institut, die an vielen Gebetszeiten teilnehmen mussten, besonders in der Fastenzeit. Ausserdem bestimmte er auch, dass sie die Messe an den Sonn- und Feiertagen nicht mehr wie bisher in der Wallfahrtskapelle besuchen sollten, weil diese dort viel zu lange dauere.[5] Ihm zu Ehren veranstalteten die Schwestern am 29. Oktober 1890 eine Abschiedsfeier - es "blieb kein Auge trocken, wie hätte es auch anders sein können; hat doch der gute Herr beinahe zwölf Jahre segensreich, still und verborgen, aber liebevoll und väterlich die Herde geweidet und das Vertrauen aller genossen". Als P. Karl Anderhalden 1891 seine Nachfolge angetreten hatte, schrieb er in einem seiner ersten Briefe am 21. Dezember an Abt Anselm: "Ich glaube, er (P. Fintan) war unstreitig einer der besten Beichtiger von Rickenbach." Abt Anselm schickte P. Fintan dann am 30. Oktober 1891 zu den Kapuzinnerinnen nach Wonnenstein, wo er zehn Jahre wirkte.[6]

1901 kehrte er nach Engelberg zurück, wo "man sich allgemein freute auf seine Heimkehr, da er gar ruhiger und friedlicher Natur ist".[7] Er erteilte wieder Unterricht in den unteren Klassen und für den Vorkurs am Gymnasium der Stiftschule. "Er war ein Mann der Pünktlichkeit, nicht launenhaft, immer sich gleichbleibend im gewohnten, nervösen Achselzucken so gut wie in der gelassenen Vortragsweise, schlicht und einfach in seiner ganzen Art. Nur wenn ein kleiner Schalk mit des Professors Arglosigkeit allzu kühnen Raubbau trieb, färbte die Erregung sein jugendfrisches Antlitz um einige Nuancen tiefer."[8] Aber bereits im Mai 1902 wurde er wieder, nach Wunsch der Schwestern und auch seiner eigenen Neigung folgend, wieder Spiritual bei den Kapuzinerinnen in Wonnenstein, wo er auch gerne seinen Lebensabend verbringen wollte. Am 27. Juni 1915 konnte er dort mit einem levitiertem Hochamt, wo auch andere Mitbrüder teilnahmen, sein goldenes Priesterjubiläum feiern. Für viele Schwestern dort war es das erste, welches sie erleben durften. P. Subprior Odilo Gwerder von Engelberg hielt die Festpredigt.[9] Leider stellten sich seit seiner Rückkehr nach Wonnenstein immer häufiger Asthmaanfälle ein, die ihm besonders nachts arg zu schaffen machten. Als auch in der Nacht vom 29. auf den 30. Oktober 1919 eine heftige Atemnot ihn quälte, stand er auf und betete mit der durch die Klingel herbeigerufenen Wärterin lange und innig vor einem Muttergottesbild; dann legte er sich wieder schlafen, um nicht wieder zu erwachen. Eine Herzlähmung machte seinem Leben am 30. Oktober 1919 mit 77 Jahren ein Ende. Am Allerheiligentag wurde er in Wonnenstein beerdigt.[10]

Von seinen 57 Jahren als Engelberger Mönch verbrachte P. Fintan deren 41 im Dienst der Klosterfrauenseelsorge. "Er war ein herzensguter, stets zufriedener und demüthiger Charakter und ein kindlich frommer, makelloser Priester. Zu grossen Taten auf dem Feld der Wissenschaft oder desöffentlichen Lebens war er nicht berufen, sein Leben und Wirken blieb still und geräuschlos, aber sicher nicht fruchtlos. (...) Weniger heimisch fühlte er sich auch auf dem Katheder. Es fehlte ihm die nötige Autorität, um dem Uebermut der Jungen stets die richtigen Grenzen zu ziehen. So musste es naturgemäss von Zeit zu Zeit zu gemütlichen Zwischenakten kommen, die im Schulprogramm nicht vorgesehen waren. Aber andererseits achteten die Studenten die Gewissenhaftigkeit und tiefe Frömmigkeit des Lehrers. Seinen Oberen und Mitbrüdern war der Verblichene mit grosser, aufrichtiger Liebe zugetan, war aber auch seinerseits bei allen verehrt und hochgeschätzt."[11] Er war ganz einfach der "geborene Spiritual" für die Klosterschwestern.

Professnummer

  • Nr. 633

Einzelnachweise

  1. Die Lebensbeschreibung wurde weitgehend vom Manuskript von Br. Meinrad Haberl (StiArEbg Professbucheinträge, mit Vorarbeiten von P. Gall Heer) übernommen.
  2. Fäh, Geschichte der Pfarrei Benken, 1941, S. 105. Von seinen 13 Geschwistern trat eine Schwester in das Kloster-Maria-Rickenbach ein, wo sie 1874 als Sr. M. Ida die Gelübde ablegte; Heer schreibt diese aber dem Kloster Wonnenstein zu, wo sie am 10. 11. 1874 als Sr. Ida Profess ablegte und am 3. Juni 1928 starb.
  3. Sein Bruder Adolf wurde später Posthalter in Benken.
  4. De Kegel, Das Benediktinerinnen-Kloster Maria Rickenbach in Geschichte und Gegenwart, Spirituale von 1864 bis 1918.
  5. Schleifer-Stöckli, Schule in frischer Alpenluft – Das Institut Maria Opferung, in: Das Benediktinerinnen-Kloster Maria Rickenbach in Geschichte und Gegenwart, S. 222.
  6. StiArEbg Tagebuch Abt Anselm Villiger, Bd. V. (1886–1901), S. 177.
  7. StiArEbg Tagebuch Abt Leodegar Scherer, Bd. 1, 16. Mai 1901.
  8. Titlisgrüsse 5, Nr. 4, Dezember 1919, S. 80.
  9. Titlisgrüsse 1, Nr. 3, 1915, S. 117f.
  10. Von ihm wurde ein sehr schönes Sterbebild mit Foto als Gebets-Andenken gedruckt.
  11. Nachruf im Obwaldner Volksfreund 49 Jg., Nr. 88, 8. November 1919; weiterer Nachruf in: Schweizerische Kirchenzeitung Nr. 46, 13. November 1919 und Titlisgrüsse 5, Nr. 4, Dezember 1919, S. 80.

Bibliographie

  • Gottwald, Benedikt: Album Engelbergense. Luzern 1882, S. 150.
  • StiArEbg Professbucheintrag nach dem Manuskript von Br. Meinrad Haberl (mit Vorarbeiten von P. Gall Heer).