Emanuel Crivelli

Aus Kloster-Engelberg
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Grabplatte von Abt Emanuel Crivelli.

Emanuel (Karl Anton) Crivelli (* 24. Mai 1700 von Altdorf; † 4. September 1749 in Engelberg)

Lebensdaten

Absolvent der Stiftsschule Engelberg: 16. Oktober 1717–1719

Profess: 4. Februar 1720

Priesterweihe: 10. Juni 1724

Ämter

Lehrer an der Stiftsschule: 1724–17?

Präfekt der Stiftsschule: 17?–17?

Lehrer der Fratres: 17?–1731

Abt: 1731–1749

Beziehungsnetz

Verwandtschaft

Sohn des Julius Ausanus Crivelli und der Maria Ursula Schmid.

Lebensbeschreibung[1]

Er stammte aus einer mailändischen Adelsfamilie, die 1606 das Landrecht von Uri und 1624 auch das Bürger­ recht der Stadt Luzern erhielt. Karl Anton wurde am 24. Mai 1700 in Altdorf, Sohn des Julius Ausanus und der Maria Ursula Schmid. Einer seiner Brüder legte als P. Roman in Einsiedeln Profess ab, die einzige Schwester trat als Sr. Ma­ria Rosa ins Frauenkloster Altdorf ein. Der Vater begann nach dem frühen Tod seiner Gattin noch theologische Studien und wurde am 2. August 1722 zum Priester geweiht.[2] Nach dem Besuch der Lateinschule in Altdorf kam Karl Anton am 16. Oktober 1717 an die Schule von Engelberg, trat zwei Jahre später ins Kloster ein und legte am 4. Februar 1720 die Ordensgelübde ab. Die höheren Studien durchlief er im Kloster und wurde am 10. Juni 1724 in Chur zum Priester geweiht. Zunächst war er Lehrer und zeitweise auch Leiter der Klosterschule, später Professor der Philosophie und Theologie bei den Fra­tres. Nach dem Brand von 1729 wurde er mit seinen vier Frater-Schülern nach Muri geschickt.[3] Am 16. Januar 1731 wurde er als jüngster Pater in Grafenort zum Abt gewählt. Mit Legitimation des Papstes leitete der Nuntius die Wahl und nicht ein Schweizer Abt. Die Abtsweihe erfolgte am 8. April in Chur.[4] Der Neugewählte suchte vorerst ein gutes Einvernehmen mit den Schirm­orten. Die Streitigkeiten mit den Nidwaldnern dauerten aber an, so dass ihnen der verärgerte Abt in einem Brief vom 1. Juli 1738 den Titel von «Schirmvätern» verweigerte.[5] Für die Engelberger erstellte Abt Emmanuel einen Auszug aus dem Talbuch über ihre Rechte und Pflichten, wo er sich zwar als absoluter Herr des Tales bezeichnet, sich aber doch mehr als Vater betrachtet.[6] Seine vordringlichste Aufgabe war aber der Wiederaufbau von Kloster und Kirche. Er berief den Pfarrer von Sins, P. Adelhelm Luidl, als Bauleiter und Subprior. Bei Christoph Schmid in Chur liess er 10 neue Glocken giessen. 1735 konnte die Schule wieder eröffnet werden. Am 27. Oktober 1737 hielten Abt und Konvent Einzug ins neue Kloster. Am 5. September 1745 weihte der Nuntius die neue Kirche ein.[7] Nach der Rückkehr der Patres ins neue Kloster legte Abt Crivelli grossen Wert auf die Erneuerung des klösterli­chen Lebens und des Chorgebetes nach den altbewährten Traditionen Engelbergs.[8] 1745 beschloß die Pfarrei Sins AG den Neubau ihrer Kirche, für die der Abt als Kollator den Chor zu übernehmen hatte. Auch das zu Sins gehörige Abtwil errichtete 1742 eine eigene Kirche und trennte sich 1747 von Sins[9] Diese vielfältigen hohen Kosten zwangen den Abt, bei den Anschaffungen für die Sakristei sparsam vorzugehen.[10] Die Art, wie er die umfassenden Bauten zu finanzieren wusste, lässt ihn als umsichtigen, klugen Verwalter erscheinen. Zur Schuldendeckung verkaufte er am 13. Februar 1744 die Reben in Küsnacht ZH.[11] Daneben fand er noch Zeit, sich dem Handel mit Vieh und Käse zu widmen.[12] Um den klostereigenen Boden für die Land­wirtschaft möglichst nutzbar zu machen, legte er 1742 ein umfangreiches Inventar des ganzen Güterbestandes an, gab Weisungen für die Bestellung dieser Besitzungen und liess zahlreiche neue Scheunen, Sennhütten und Weganlagen erstellen.[13] Die vielseitigen Aufgaben rieben allmählich die geistigen und körperlichen Kräfte des Abtes auf. Bis zuletzt versah er aber seine Funktion in Kirche und Verwaltung. Er starb am 4. September 1749 als einer der besten Äbte Engelbergs.[14]

Einzelnachweise

  1. Die Lebensbeschreibung wurde weitgehend von der Helvetia Sacra (III I, S. 645f) übernommen.
  2. Fischer-Reichenbach, Die Casa Crivelli in der Schweiz, Bern 1947.
  3. StiArEbg cod. 229, S. 205; StiArEbg cod. 223, S. 57.
  4. StiArEbg Wahlakten 1731; StiArEbg Personalakten Crivelli; StiArEbg cod. 229, S. 191-204; StiArEbg cod. 254, S. 270-367.
  5. StiArEbg cod. 252, S. 125-195; StiArEbg cod. 190, S. 246, 254; StiArEbg cod. 249, S. 327-334, 352 und 420; StiArEbg cod. 251, S. 23 und 172. Zu den Schirmorten vgl. auch StiArEbg cod. 223, S. 624ff.
  6. StiArEbg Cista Tal. Cattani, Talgericht, S. 85-98.
  7. Hess, Klosterbau. StiArEbg Briefe Crivelli; StiArEbg cod. 202.
  8. StiArEbg cod. 191 und 192.
  9. StiArEbg cod. 191, S. 29ff., 259, 267 und 277; StiArEbg cod. 192, S. 7ff., 34f. KDAargau 5, S. 3f., 466-472.
  10. Hess, Goldschmiedearbeiten, S. 47-50.
  11. Eckinger, Die Beziehungen des Klosters Engelberg zu Küsnacht am Zürichsee in den Briefen der Amtmänner Streuli, in: Zürcher Taschenbuch 1946, S. 61-63. Die Baufinanzierung bei Hess, Klosterbau, S. 353- 367.
  12. StiArEbg cod. 43 und 43a.
  13. StiArEbg Personalakten Crivelli; StiArEbg cod. 33.
  14. StiArEbg cod. 192, S. 117ff.

Bibliographie

  • De Kegel, Rolf: Emanuel Crivelli, in e-HLS.
  • Gottwald, Benedikt: Album Engelbergense, Luzern 1882, S. 48.
  • Heer, Gall: Aus der Vergangenheit von Kloster und Tal Engelberg 1120–1970, S. 283-307.
  • Helvetia Sacra III I, S. 645f.