Dominik Wädenschwiler

Aus Kloster-Engelberg
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Dominik (Paul) Wädenschwiler (* 21. Februar 1863 in Rorschach; † 1. April 1932 in Mount Angel OR)

Lebensdaten

Profess: 10. Oktober 1884

Priesterweihe: 10. Juli 1887

Ämter

Missionar in Mount Angel: 1887–1932

Beziehungsnetz

Verwandtschaft

Sohn des Josef Andreas Valentin Wädenschwiler und der Maria Katharina Karrer.

Lebensbeschreibung[1]

P. Dominik Wädenschwiler wurde am 21. Februar 1863 in Ror­schach geboren und auf den Namen Paul getauft. Nachdem der junge Mönch am 10. Juli 1887 die Priesterweihe empfangen hatte, trat er mit P. Leo Hübscher, der mit ihm geweiht worden war, am 12. September gleichen Jahres die Reise in die Neue Welt an. Die durch P. Adelhelm Odermatt, den nachmaligen Titularabt, ins Leben gerufene Neugründung Mount Angel im Staat Oregon war schon am 15. Juni 1882 durch das Dekret von Papst Leo XIII. zum Priorat erhoben worden. Hier wirkte P. Dominik für fast 45 Jahre. Zuerst wurde ihm die Leitung der Novizen und Fratres übertragen. Daneben beschäftigte er sich intensiv mit dem Studium des Englischen. In seinem Eifer hielt er schon kurze englische Predigten, bevor er die Sprache vollständig beherrschte. Dabei kam es gelegentlich vor, dass seine Verstösse gegen Grammatik und Wortgebrauch unter den Zuhörern Heiterkeit erregten. Ebenso köstlich mussten auch seine ersten Versuche in der Reitkunst gewesen sein.

1889 wurde er zum Präfekten des Knabenseminars ernannt. Ein Jahr später wurde ihm die Direktion des Kollegiums übertragen. 1893 wurde er wieder für drei Jahre Novizenmeister, danach für drei Jahre Pfarrer der aufblühenden Pfarrei Mount Angel. 1899 übernahm er wieder die Direktion der Knabenschule. Indessen hatte er an­gefangen, sich der Musik, eigentlich seiner ersten Liebe, wieder zuzuwenden. Seine Kantate "Beautiful Willamette" (Fluss in Oregon) für grosses Orchester, Soli und gemischten Chor, die 1904 anlässlich der Lewis und Clark-Ausstellung in Portland aufgeführt wurde, erregte Aufsehen, ebenso sein Marsch zu Ehren des Präsidenten Roosevelt, der bei einem Besuch in Portland von einer Militärmusik gespielt wurde. 1906 entstand die symphonische Dichtung "Call of the West" (Ruf des Westens).

Durch diese Erfolge ermuntert, gestattete ihm der Abt ein Jahr Urlaub, um in Europa seine musikalischen Kenntnisse zu erweitern und zu vertiefen. So sass er denn in Berlin an der Hochschule für Musik zu Füssen von Humperdinck und Dallberg, nachdem er sich durch seine Kompositionen für ihren Unterricht als genügend ausgebildet erwiesen hatte. Aber auch für die liturgische Musik sammelte er Kenntnisse und Erfahrungen. In Regensburg besuchte er einen Choralkurs bei Haberl, er reiste nach Rom, Monte Cassino, Sub­iaco und Solesmes, um mit den verschiedenen Auffassungen und Vor­tragsweisen des gregorianischen Chorals bekannt zu werden.

Reich beladen kehrte er im Herbst 1907 wieder nach Mount Angel zurück, um die geistliche und weltliche Musik in seinem Kloster zur Blüte zu bringen. Auf dem Gebiet der Komposition entfaltete er eine fruchtbare Tätigkeit. P. Dominik brauchte sich bei seinen Arbeiten keine Beschränkungen aufzu­erlegen, denn sein Name hatte bereits einen so vorzüglichen Klang, dass Künstlerorchester und bedeutende Chöre sich um seine Werke bemühten.

Mitten aus diesem künstlerischen Schaffen heraus berief ihn sein Abt 1910 an die Spitze der Pfarrei Mount Angel, die er schon in den neun­ziger Jahren erfolgreich geleitet hatte. P. Dominik vollendete die von seinem Vorgänger begonnene grosse gotische Kirche mit 1000 Sitzplätzen, deren Bau­kosten von 85'000 Dollars er in wenigen Jahren abzahlte. Die Pfarr­schule, ebenfalls ein stattliches Gebäude, für 500 Kinder berechnet, mit 12 Schulzimmern und einem Auditorium für Theater, Unterhaltungen und Spiele, kostete 165'000 Dollars. Dass solche finanzielle Sorgen schwer auf den Schultern des alternden Herrn lasteten, ist ohne weiteres begreiflich. Aber in diesen äusseren Arbeiten für die Pfarrei ging er nicht auf, weit mehr sorgte er für das geistliche Wohl der Gemeindemitglieder, schuf Vereine und kümmerte sich um sie.

Dass seine Gesundheit bei der gewaltigen Arbeit, die er leistete, auf die Dauer nicht mehr standzuhalten vermochte, ist nicht erstaunlich. Im Oktober 1929 erlitt P. Dominik bei der Feier der heiligen Messe eine Gedächtnisschwäche. Als sich solche Fälle mehrten, bat er seine Oberen, ins Kloster zurückkehren und die Verwaltung der grossen Pfarrei vorderhand einem Mitbruder überlassen zu dürfen. Nach dem Urteil des Arztes handelte es sich um eine stark vorgeschrittene Verhärtung der Aorta, die Herzaffektionen und sklerotische Gehirnstörungen verursachte. Er spielte dann noch eine Zeit lang beim Gottesdienst die Orgel. Da soll es hie und da vorgekommen sein, dass man ihn mitten in seinen kunstvollen Variationen über ein Thema andeuten musste, dass der Priester am Altar auf sein Schluss warte.

Schliesslich mehrten sich die Schlaganfälle, bis der Tod am 1. April 1932 das arbeitsreiche Leben des Priestermönches beschloss. Beim Leichenbegräbnis füllte sich das Gotteshaus trotz des stürmischen Wetters bis auf den letzten Stehplatz. Erzbischof Edward Daniel Howard hielt das Pontifi­kalamt. Ein Requiem konnte wegen des Festes Mariä Verkündigung nicht gehalten werden.

Werke[2]

  • Ave Maria gratia plena - Coro femminile.
  • Das Gärtlein - Coro femminile, pf.
  • Domine dilexi decorem domus tuae - Coro femminile, org.
  • Ein Röslein steht im Gartenbeet ein Röslein rotwie Blut - Coro fanciulli.
  • Emicat meridies et beata requies - Coro femminile, org.
  • In corde Gertrudis invenietis me - Coro femminile, org.
  • O Deus ego amo te - S, org.

Profesnummer

Nr. 663

Einzelnachweise

  1. Die Lebensbeschreibung wurde weitgehend vom Nachruf in den Titlisgrüsse 18, 1931/32, S. 82-85, übernommen.
  2. Aus dem Eintrag im RISM.

Bibliographie

  • Nachruf P. Dominik Wädenschwiler, in: Titlisgrüsse 18, 1931/32, S. 82-85.