Dominik Herzog

Aus Kloster-Engelberg
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Dominik (Wilhelm) Herzog (* 30. August 1649 in Beromünster; † 28. November 1716 in Sins)

Lebensdaten

Profess: 3. Februar 1666

Priesterweihe: 23. September 1673

Ämter

Pfarrer in Sins: 1658–1687, 1704–1716

Pfarrer in Auw: 1687–1695

Pfarrer in Engelberg: 1700–17?

Beziehungsnetz

Verwandtschaft

Martin Herzog und Anna Thuot von Sempach.

Paten: Propst Wilhelm Meyer, Beromünster, und Eva Notter.

Lebensbeschreibung[1]

P. Dominik gehörte der bekannten Beromünster Familie Herzog an. Hier wurde er am 30. August 1649 als Sohn der Eltern Martin Herzog und Anna Thuot von Sempach geboren und erhielt den Taufnamen Wilhelm. Er kam am 18. Juli 1662 an die Kloster­schule von Engelberg, empfohlen durch seinen Taufpaten Propst Wilhelm Meyer[2] sowie Chorherr Jodok Schindler in Beromünster. Sein Vogt Anton Schindler übernahm die Rechnung. Er war der Onkel Wilhelms, da er die Schwester des Vaters Martin, Katharina Herzog, heiratete.[3] Der Vater Martin war schon früh gestorben (1605–1654) und hinterliess dreizehn Kinder, für die gut vorgesorgt war. Denn Martin Herzog hatte vom Stift Münster 1651 die sog. hintere Mühle mit Mühlematt gekauft.[4] Die Witwe Anna Thuot heiratete 1655 Sebastian Nerach.[5] und 1661 in dritter Ehe Leodegar Pfyffer.[6] Anna Thuot starb am 8. September 1676.[7]

Der Taufschein für P. Dominik ist am 27. Juli 1654 von Pfarrer Hieronymus Meyer von Beromünster ausgestellt. Als Paten sind genannt: "Rms. perillustris Dom. Guilelmus Meyer, insignis Collegiatae Eccl. Beronensis Praepositus et Eva Notter." Die Firmung spendete Bischof Franz Johann von Konstanz am 27. Juli 1654, wobei Nikolaus Erni, Kaplan in Münster, Pate war. Der Bruder des P. Dominik, der vom Vater die Mühle in Münster geerbt hatte, zahlte als Aussteuer 750 gld., dazu kam das Patrimonium von 670 gld. Die Auslagen, für die der Vogt Anton Schindler aufkam, sind die für Studenten üblichen: Tischgeld, Wein, Kleider usw.

1663 durfte Wilhelm auf das Fest des heiligen Michael (Kirchweihe)in seine Heimat reisen ebenso am 16. Januar 1665 auf Wunsch seiner Mutter Anna Thuot. Das geschah noch vor seinem Kloster­eintritt. Am 2. Februar 1665 begann er das Noviziat.[8] Er hatte schon 1656 seine Studien in Luzern bei den Jesuiten begonnen und sie bis 1662 fortgeführt. Am 18. Juli 1662 kam er nach Engelberg.[9] 1664 findet sich im Rechnungbuch des Pfarrers von Sins, P. Gregor Fleischlin, unter dem Tltel "Annotationes" der Eintrag: "In Münster propter transactionem P. Dominici Herzog 1 gld 20." Die Stelle ist wohl so zu verstehen, dass der Student von Münster aus den P. Gregor vor seinem Novitatsbeginn noch kurz besuchte.[10]

Die heiligen Weihen empfing P. Dominik in Luzern, den Subdiakonat am 20. Dezember l670 durch Nuntius Edoardo Cibo in seiner Hauskapelle, den Diakonat am 19. Dezember 1671 am selben Ort den Presbtyerat am 23. September 1673 durch den Nuntius in der Klosterkirche in Einsiedeln. Den Abschluss der Studien machte er im Kloster, denn auf Pfingsten 1676 wurde für ihn und die Fratres und Patres Burnott und Augustin Reding eigens ein Professor von St. Gallen berufen. Vorgesehen war P. Hieronymus Lindenmann. Tatsächlich aber ehielt P. Eusebius Weissenbach diesen Auftrag, den er vom Mai 1671 bis 1673 erfüllte.[11] In der Stiftsbiliothek Disentis liegt der Cod. 831, ein Exemplar des Cursus theologicus Sangalleneis, ein theologisches Werk, das damals in den Schweizer Klöstern viel benützt wurde und vor allem von den Patres aus St. Gallen für ihren Unterricht zugrunde gelegt wurde. So kann nachvollzogen werden, nach welcher Methode damals gelehrt wurde.[12] Der Band muss ursprünglich in Engelberg gestanden haben und benutzt worden sein. Er kam, wie P. Iso Müller vermutete, erst 1880 nach Disentis, als nach einem feurigen Aufruf von Kaspar Dekurtins gleich vier Schüler von Engelberg sich um die Aufnahme ins Noviziat ins rätische Kloster bewarben. Sie nahmen den "Cursus theologicus" vermutlich in ihr neues Kloter mit. Dass es einst zur Zeit von P. Dominik in Gebrauch war, zeigt ein Eintrag von ihm selbst: "Hunc secundum (in Band 4: quartum) Ss Theologiae tomum feliciter incepimus, 8. Februarii 1672 P. Dominicus Herzog, theologiae candidatus et diaconus."

Professor der Theologie war damals P. Ignaz Betschart, der spätere Abt. Von P. Dominik rühmt Straumeyer, er sei ein tüchtiger Verwalter landwirtschaftlicher Güter gewesen.[13] 1666 widmete ihm P. Karl Troger, offenbar zur Profess, das Büchlein "Icon Thaumaturga S. P. Dominici".[14] Die Tätigkeit des P. Dominik war vor allem der Verwaltung und der Seelsorge gewidmet. Den Anfang scheint er noch als Lehrer in der Klosterschule gemacht zu haben. Dann war er vom 6. Dezember 1658 bis zum 20. April 1687 Pfarrer und Ökonom in Sins. Von dort kam er am 18. Dezember 1687 als Pfarrer nach Auw, wo er bis Juni 1695 blieb. Im Jahr 1700 war er zeitweise Pfarrer in Engelberg. Am 24. Juli kehrte er nach Sins zurück und starb hier am 28. November 1716 und fand auch hier sein Grab.[15]

Die folgenden Ereignisse beziehen sich auf den Krieg von 1712, den Zweiter Villmergerkrieg, und den Vorwurf, bzw. den Verdacht der Spionage zugunsten der Katholiken. Der Brief ist datiert vom 16. August 1712 und an Abt Joachim Albini gerichtet:

Reverendissime et gratiosissime pater, Zitenweilen der fridt, obwolen ein [...]hafter undt dero katholischen Religion höchst nachteiliger, allbereits beschlossen und die Zürcherische Kriegsarmee von unseren Gränzen würklich abgezogen, dass wir anjetzo aus aller Gefahr zuo seyn verhoffen, als thuon ich hiermit Ihro Hoch. Gnaden ersuechen, dass Sie mihr die zween Flöckkästen, in welchen der Kirchenschats sambt der Kirchen Urbari eingeschlossen sind, nacher Luzern in unser Amt wölle folgen lassen und zuogleich den tag signifizieren, an welchem solche zuo Luzern werden angelangen und ich sie könne abholen lassen. Interea sum Revdae Ptris Vestrae Obe. et sine. filius Dominicus. Raptissime, Sins, 16. Augusti 1712.

In einem PS. geht er noch auf Einzelheiten der Kriegsfolgen ein. Die Ämter Meienberg und Merischwand mussten den Bernern zu Schwarzenbach als Brandgeld 3000 Taler erlegen "ohn alles widersprechen" und am gleichen Tag hat der Zürcher Kommandant oder Adjutant bei der Sinser Brugg "unsern Herrn Kaplan Johann Hausheer mit 200 Taler Strafe belegt, die er innerhalb von 24 Stunden bezahlen musste", "teils weilen er solte in der Sinser Aktion mit dem Findt konspiriert haben, andernteils weilen die Bernichen Offiziere könstliche Kleider in seinem Haus solten hinterlassen haben, anjetzo aber nit mehr erfunden worden. R.D. Johannes ist in hoc innocentissimus. Altera die haben obvermeldte Herren auch den Herrn Placidum Köpfli, sacellanum meum auch um 15 thaller in specie gestraft als sol er gesagt haben, man solte die gefangenen Berner kein pardon geben, sondern sie alle zu todt schlagen, quod R.O. Placidus se dixisse summe negat." Gestern Morgen haben mich die gleichen Herren zwei Stunden vor ihrem Abzug zu sich rufen lassen und wollten mich betrafen "als solte ich denen länderen vor der Sinser Aktion (Schlacht) zuo oberste im Pfarrhof ein Zeichen mit dem Fatzenetli gegeben haben. Quia hoc falsissimum erat et ego hac in re innocentissimus, so habe ich mich gegen ihnen unerschrocken gestellt und mich in keine buoss wöllen einlassen, sondern mich offerieret vor der bernerischen Generalität undt Obrikeyt nit ander persönlich selbsten, wann si es begeren würden, oder schriftlich, zuo erscheinen undt mich bey inen nit allein zuo verantwordten, sondern auch mich höchstens zu beklagen, dass man mir einen Affront anthuet und solche falsche Sachen von mir spargiren, der ich doch den bernerischen Offizieren in hier tag und nacht so fleyssig aufgewartet und soviel unkösten undt mühe mit inen gehabt habe. Auf dieses haben sie mich one anlegung einiger buoss widerum in bona fide entlassen."

Der Brief an Abt Joachim Albini hat insofern Bedeutung, als er im 19. Jahrhundert Eingang in verschiedene Werke zur Schweizer Geschichte fand:

  • Meister, Leonhard: Helvetische Geschichte III. St. Gallen 1861, S. 126.
  • Vögelin, Johann Konrad: Geschichte der Schweizerischen Eidgenossenschaft. Zürich 1820-1822. (abgeschwächt ebenfalls in der Dritten erweiterten Auflage von Heinrich Escher, Zürich 1861)
  • Erwiderung von Balthasar, Josef Anton, in: Helvetische Denkwürdigkeiten 1827, S. 137 und 1828, S. 249ff.

Einzelnachweise

  1. Die Lebensbeschreibung wurde weitgehend von P. Gall Heer (StiArEbg Professbucheinräge) übernommen.
  2. Über ihn vgl. Domann, H. im Jahresbericht der Kantonsschule Luzern 1933, S. 43 und 53.
  3. Geschichtsfreund 11, 1855, S. 243.
  4. Geschichtsfreund 11, 1855, S. 243, vgl. cf. Dubler Anna-Marie, Müller und Mühlen im alten Staat Luzern, in: Luz. Hist. Veröffentlichungen 8, Luzern 1978, S. 178.
  5. Gestorben 1661.
  6. Gestorben 1671, vgl. Messmer-Hoppe, Luzerner Patriziat, S. 495.
  7. Geschichtsfreund 11, 1855, S. 245.
  8. Patrimonium in StiArEbg cod. 42, S. 180.
  9. Glauser, Schülerverzeichnis, S. 122.
  10. Sins, Rechnungsbuch, 1664.
  11. Brief des Abtes Betschart vom 13. April 1671.
  12. Vgl. Zihlmann, Der Cursus theologicus Sangallensis, in: Zeitschrift für Schweiz. Kirchengeschichte 68. Jahrgang, 1974, S. 125, besonders S. 120 und auch 132.
  13. Acta capitularia I (Aug. 1729 – Okt. 1737), StiArEbg cod. 190, S. 36.
  14. Köln, W. Friessen 1641, mit dem handschriftlichen Eintrag: "Rev.do et Religioso in Christo Fatri F. Dominico Herzog omnem felicitatem, gratiam S. Spiritus et quaecumque secundum Dei benignissimam voluntatem desiderare potest ex animo adprecatur seque [...] recommendat F.C. Subprior P. Karl Troger." StiBiEbg E 663.
  15. Hess, Die Pfarrgeistlichen, S. 107 und 110.

Bibliographie

  • Gottwald, Benedikt: Album Engelbergense. Luzern 1882, S. 116.
  • StiArEbg Professbucheintrag nach P. Gall Heer.