Berchtold

Aus Kloster-Engelberg
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Berchtold (* unbekannt; † 3. November 1197 in Engelberg)

Lebensdaten

Übertritt aus dem Kloster St. Blasien: vor 1178

Ämter

Abt: 1178–1197

Lebensbeschreibung[1]

Berchtold war ein enger Vertrauter Frowins[2] und kam wohl ebenfalls von St. Blasien her. Er wurde 1178 kurz nach Frowins Tod zum Abt gewählt[3] und führte das Kloster ganz im Sinne seines Vorgängers. Er sorgte sich um die rechtlichen und wirtschaftlichen Belange: am 4. Mai 1184 liess er sich durch Papst Luzius III. die Besitzungen Engelbergs[4], am 30. Juli 1191 durch Papst Coelestin III. die Pfarrei Stans mit dem Patronatsrecht[5] bestätigen. Er kämpfte um das Patronatsrecht der Kirche Oberwil bei Bremgarten AG[6] Nach 1184 liess er die Besitzungen und Einkünfte des Klosters in einem Urbar aufzeichnen.[7] Sein besonderes Inter­esse galt der Maler- und Schreiberschule, die er zu einem eigentlichen Höhepunkt führte. In dieser Zeit wirkte ein als Schreiber, Maler und Chro­nist tätiger Mönch, der heute meist als Engelberger Meister bezeichnet wird.[8] Abt Berchtold verfasste eine kleine Streitschrift über den Aufenthalt der Gerechten vor dem Erlösertod Christi.[9] Am 29. September 1188 wurde er in einem Rechtshandel des Klosters Muri neben dem Kardinal und Erzbischof von Mainz, dem Bischof von Konstanz und mehreren Äbten als Zeuge beigezogen.[10] Mit Abt Berchtold ist die Legende des wundersamen Fischfangs in Stansstad verbunden. Als dort die Fischer keinen Fang tätigen konnten, soll der Abt in einem Boot hinausgefahren sein und das Wasser gesegnet haben. Daraufhin füllten sich die Netze der Fischer. Abt Berchtold wird im Kloster seit dem 13. Jahrhundert als Seeliger verehrt. Im ältesten überlieferten Abgabeverzeichnis von ca. 1190 wird festgehalten, dass von Stansstad («in Littore Stannis») jährlich rund 4300 Fische (Albeli, Balchen und Hechte) ins Kloster Engelberg geliefert werden müssen.[11] Diese grosse Menge könnte in der Legende ihren legitimatorischen Niederschlag gefunden. Er starb am 3. November 1197.[12]

Werke

StiBiEbg cod. 358. (Streitschrift über den Aufenthalt der Gerechten vor dem Erlösertod Christi)

Einzelnachweise

  1. Die Lebensbeschreibung wurde weitgehend von der Helvetia Sacra (III I, S. 611f) übernommen.
  2. StiBiEbg Cod. 357, Widmung auf Titelbl. und f. 341.
  3. Der klare Wortlaut in den Annalen (Jahrbücher Engelbergs, S. 103) lässt auf eine freie Abtswahl schliessen.
  4. QWI/1, S. 85, Nr. 176. Urkunden Engelberg, Nr. 10.
  5. QWI/1, S. 91, Nr. 189, vgl. auch S. 88, Nr. 183.
  6. Ibidem, S. 87f, Nr. 180f., S. 90, Nr. 187, S. 91, Nr. 190. Urkunden Engelberg, Nr. 11 f., S. 15, S. 18.
  7. QWII/2, S. 221-228.
  8. Güterbock, Gründung, S. 80-115. Bruckner 8, S. 46-61. Durrer, Maler- und Schreiberschule, S. 112-139. Stöckli, Kuno: Codex Engelbergensis 14 und das Engelberger Scriptorium um 1200, in: Aachener Kunstblätter 47, 1976/77, S. 15-80.
  9. StiBiEbg Cod. 358. Cavelti, Sigisbert: Die Streitschrift des seligen Abtes Berchtold von Engelberg, in: Angelomontana, Gossau 1914, S. 1-175.
  10. Hidber 2, 383.
  11. QW II/2, S. 226.
  12. StiBiEbg Cod. 26, f. 20r. Jahrzeitbücher Engelbergs, S. 256. Jahrbücher Engelbergs, S. 103 und 109.

Bibliographie

  • Die Bilderwelt des Klosters Engelberg, hg. von C. Eggenberger, 1999
  • Cavelti, Sigisbert: Die Streitschrift des seligen Abtes Berchtold von Engelberg, in: Angelomontana, Gossau 1914, 1-175.
  • De Kegel, Rolf: Berchtold, in e-HLS.
  • Gottwald, Benedikt: Album Engelbergense, Luzern 1882, S. 24.
  • Güterbock, Ferdinand: Engelbergs Gründung und erste Blüte 1120–1223, Zürich 1948 (ZSG Beiheft 6), S. 57-59.
  • Heer, Gall: Aus der Vergangenheit von Kloster und Tal Engelberg 1120–1970, S. 33-36.
  • Helvetia Sacra III I, S. 611f.