Beda Iten

Aus Kloster-Engelberg
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Beda (Leonz) Iten (* 22. April 1799 in Ägeri; † 27. Dezember 1864 in Bollingen)

Lebensdaten

Profess: 21. November 1821

Priesterweihe: 16. März 1823

Primiz: 20. April 1823

Austritt: 1842

Ämter

Lehrer an der Stiftsschule: 1823–1842

Vestiar: 1823

Zeremoniar: 1823–1842

Bibliothekar: 1825–1832

Archivar: 1834–1842

Kapitelssekretär: 1834–1842

Beziehungsnetz

Verwandtschaft

Sohn des Josef Kaspar Iten, Standesläufer in Zug, der Anna Barbara Agatha Landtwing.

Firmpate: Leonz Hess

Lebensbeschreibung[1]

P. Beda wurde als ältester Sohn des Josef Kaspar Iten aus dem Wissenbächli, Standesläufer in Zug, und dessen Ehefrau Anna Barbara Agatha Landtwing, am 22. April 1799 in Unterägeri geboren und auf den Namen Leonz Josef Anton getauft. Seine Eltern besassen das Landrecht in Ägeri. Gefirmt wurde er am 29. August 1807 durch den Konstanzer Weihbischof Ernst M. Ferdinand von Bissingen. Firmpate war Leonz Hess. Nach ersten Schuljahren in Zug kam er 1818 an die Klosterschule Engelberg.

1819 wurde er noch als "Fr. Nov. Leonz" bezeichnet.[2] Am 21. Februar 1820 wurde ihm vom Kapitel die Aufnahme gewährt, er musste aber eine 14-monatige Kandidatur durchmachen. Am 21. November 1821 konnte er als Fr. Beda Profess ablegen. Noch als Frater wurde er 1822 als Zeremoniar für die höheren Feste und als Subkustos bestimmt. Seine Studien in Philosophie und Theologie absolvierte er an der Engelberger Hausschule. Die Priesterweihe empfing er vom letzten Weihbischof von Konstanz, Ferdinand von Bissingen.[3] Seine Primiz feierte er vier Tage später am 20. April 1823. Am 5. Februar erhielt er auch vom Bischof von Chur–St. Gallen, Karl Rudolf Buol von Schauenstein die Zulassung für die Seelsorge in seinem Sprengel.

Von 1823 bis zu seinem Klosteraustritt 1842 war er Lehrer an der Stiftsschule. 1823 ist er auch als Rubrizist, und Vestiar genannt. Von 1825 bis 1832 war er Bibliothekar und bis 1842 auch Zeremoniar. Als Lehrer an der Klosterschule für Musik und Schönschreiben wurde er auch am 4. Februar 1832 Leiter der Engelberger Talschule. Da es damals in Engelberg keine Mädchenschule gab, war ein regulärer Schulbesuch für die Mädchen nicht möglich. Sie besuchten nur den Religionsunterricht, den damals P. Beda Iten gab.[4]

Als P. Plazidus Tanner auf die Pfarrei Sins versetzt wurde, wurden P. Beda auch dessen Ämter als Archivar, Abt- und Kapitelssekretär übertragen welche er bis 1842 gewissenhaft erfüllte. Nach Aussage von Abt Plazidus Tanner war P. Beda schon seit Jahren dessen unermüdlicher Gehilfe im Archiv gewesen. Während dieser Jahre schrieb er die Kapitelsakten von 1810 bis 1841. Abt Eugen von Büren hatte die Protokolle der früheren Sekretäre P. Anselm Faller und P. Plazidus Tanner in unbegreiflicher Weise "bearbeitet", so dass er sie später aus der Erinnerung heraus wieder - und dadurch natürlich unvollständig - neu abfassen musste. Schon 1829 am 14. Januar hatte P. Beda, nachdem er bis dahin seine Pflichten und Ämter treu erfüllt hatte, das Kloster aus unerklärlichen Gründen eigenmächtig verlassen, war aber nach 14 Tagen wieder zurückgekehrt und hatte am 8. Februar in der Abtskapelle in der Gegenwart von Abt Eugen von Büren, Prior und Subprior seine Profess in aller Treue erneuert. 1842 erklärte er dann, nicht mehr im Kloster bleiben zu können und ging am 20. Juni zu P. Plazidus Tanner in die Pfarrei Sins. Dieser hatte viel Verständnis für ihn und wollte ihn auch zur Rückkehr nach Engelberg bewegen. P. Beda blieb noch etwa 10 Wochen bei ihm in Sins um die Formalitäten der Säkularisierung abzuwarten und die Dimissoralien vom Abt und von Chur zu erlangen, da er als Zuger in die Diözese Basel übertreten wollte.

Ende Oktober 1842 machte er noch in Zug bei den Kapuzinern Exerzitien und wohnte dann noch einige Zeit bei seinen Brüdern Jakob und Karl Iten in Zug. Von dort aus bewarb er sich in seiner Heimat Unterägeri um das Patrimonium das ihm auch gewährt wurde.[5] In der Folge führte ihn sein Lebensweg auf verschlungene Pfade. Im September 1843 kam er an die Knabenschule in Altdorf als Provisor, Choralmagister und Lehrer. Dort richtete er auch eine Gesangsschule ein. Von 1845 bis 46 war er dann Pfarrer in der deutschen Tessingemeinde Bosco-Gurin, von 1847 bis 1850 war er Kaplan in Neuheim (Zug), dann in Netstal (Glarus). Von 1853 bis 1857 war er Kaplan und Schullehrer in Wangen SZ. Von 1857 bis 1860 wirkte er als Benefiziat in Altenrhein bei Rorschach. 1860 kam er dann als Pfarrer nach Bollingen SG bei Rapperswil, der letzten Station seines Lebens. Dort machte er als Pfarrer erst am 28. Mai 1861 den ersten Eintrag ins Taufbuch.[6] Hinterlassene Aufzeichnungen lassen zwar durchblicken, als ob er sich hier wieder nicht verstanden fühlte, weshalb bereits Schritte unternommen wurden, ihn nach Ricken übersiedeln zu lassen. Dagegen wehrte sich jedoch der Kirchenverwaltungsrat sowohl beim Bischof wie beim Administrationsrat am 26. April 1863: "Man habe vernommen, dass H.H. Pfarrvikar Iten nach Ricken kommen solle. Diese Nachricht berührt uns sehr unangenehm, denn wir hatten zwei Jahre hindurch einen erbaulichen Gottesdienst, eine schöne Ordnung mit den Kindern und fleissigen Unterricht derselben. […] Auch für Verbesserung und Verschönerung der Kirchenzieraden ist Manches geschehen. Ist ihm auch da und dort, weil er ein hitziges Temperament, ein Fehler entgangen, wie es jedem Anderen geschehen kann, geniesst er doch die Achtung der Guten." Besonders gerne fand man sich offenbar mit seinem bescheidenen Lohnanspruch ab, da der Kirchenverwaltungsrat ohnedies über die drückenden Staats-, Gemeinde- und Schulsteuern klagte.[7] So fand die scheinbar unverstandene Natur P. Bedas doch ihre Anerkennung. In Bollingen starb er als Pfarrvikar am 27. Dezember 1864 mit 65 Jahren.

P. Beda war auch schriftstellerisch tätig, meist um Kopien abzuschreiben. Von ihm stammt aber auch das "Buchstabier- und Sillabier-Lesebüchlein" für die Volksschule des Tales Engelberg.[8] Mit P. Plazidus Tanner kopierte er die "Miscellanea" des P. Athanas a Castanea. Seine Abschriften der "Annales minorum et Maiorum", das Kalendarium von 1345, der "Historia monasterii Montis-Angelorum" des P. Jodocus Metzler von St. Gallen und einer weiteren Klostergeschichte Engelbergs aus dem St. Galler Archiv, sowie der Annalen des P. Plazidus Knüttel, hatte er für den bekannten Historiker Hofrat Georg H. Pertz angefertigt und ihm diese geschickt, aus dessen Nachlass sie 1879 wieder ans Kloster zurückkamen.[9]

Professnummer

Nr. 603

Einzelnachweise

  1. Die Lebensbeschreibung wurde weitgehend vom Manuskript von Br. Meinrad Haberl (StiArEbg Professbucheinträge, mit Vorarbeiten von P. Gall Heer) übernommen.
  2. Odermatt, Der Konvent von 1819, in: Titlisgrüsse, 56 Jg., 1969/70, S. 19.
  3. Nach P. Gall Heer, zusammen mit P. Ildephons Kost am 16. März 1823 durch den Nuntius von Luzern Ignatius Vasalli in dessen Hauskapelle.
  4. Dufner, Das Post-Theresli, in: Engelberger Dokumente, Heft 16, 1984, S. 5. Aus dieser Zeit hielt Theresia Waser aus Engelberg, "Post-Theresli" genannt, (1831–1919) in ihren Kindheitserinnerungen einiges aus ihrer Schulzeit fest, u.a. auch zu P. Beda.
  5. Zum Klosteraustritt vgl. Acta capitularia VIII (1810–1842), StiArEbg cod. 280, S. 127, dazu Akten des P. Plazidus Tanner.
  6. Iten, Die Iten – Talleute zu Aegeri – eine Familien und Hofgeschichte, 1962, S. 197.
  7. Ebd. S. 197.
  8. Altdorf, Zgraggen 1836, 64 Seiten, in der Stiftsbibliothek Engelberg.
  9. StiBiEbg cod. 368, vgl. G. H. Pertzin: Archiv für ältere deutsche Geschichtskunde VII, S. 171.

Bibliographie

  • Gottwald, Benedikt: Album Engelbergense. Luzern 1882, S. 143, Nr. 603.
  • StiArEbg Professbucheintrag nach dem Manuskript von Br. Meinrad Haberl (mit Vorarbeiten von P. Gall Heer).