Barnabas Bürki

Aus Kloster-Engelberg
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Ausschnitt eines Porträts von Abt Barnabas Bürki, im Hintergrund eine Darstellung der Badener Disputation 1526.
Farbige Darstellung des Bürki-Wappens aus dem 19. Jahrhundert, StiArEbg Wapppentafel der Äbte.
Dieses textile Wappen ist das älteste erhaltene Bürki-Wappen (links). Das rechte Wappen gehört zu Abt Ignaz Betschart (1658-1681), zusammengehalten werden beide Wappen durch die Herrschaftsinsignien (Abtsmitra, Schwert und Abtsstab). Betschart hat dieses gemeinschaftliche Wappen für den Brienzer Ornat fertigen lassen, weil er diesen restaurieren liess und mit dem Bürki-Wappen auf die Rettung des Ornats durch Abt Barnabas 1528 im Zusammenhang mit der Einführung der Reformation im Berner Oberland (Brienz) hinweisen wollte. (Brienzer Ornat, Textilsammlung Kloster Engelberg)

Barnabas Bürki (* 1473/1474 von Altstätten; † 29. Dezember 1546 in Engelberg), Magister artium

Lebensdaten

Profess: 1504?

Priesterweihe: 1505

Primiz: 11. November 1505

Ämter

Abt: 1505–1546

Lehrer: ?

Beziehungsnetz

Verwandtschaft

Sohn des Othmar Bürki und der Agnes Ritter.

Lebensbeschreibung[1]

Abt Barnabas Bürki war Nachfolger des Abtes Heinrich Porter nach dessen Tod am 26. März 1505. Er stammte aus Altstätten im Kanton St.Gallen. Der eigentliche Vatername war Steiger, Bürki (Burkhard) war Zu- oder Übername.[2] Er trat 1503 ins Noviziat in Engelberg ein, nachdem er die Universität Paris besucht hatte und dort den Magister artium erworben hatte.[3] Er kehrte indes nochmals in die Seinestadt zurück, um seine theologischen Studien abzuschliessen.[4] Er hatte dort Kontakt mit Humanisten, Klosterfreunden und Kirchenreformern wie Jacobus Faber Stapulensis (Jacques Lefèvre d'Étaples), Judocus Clichtoveus (Schnezer) und Carolus Bovillus (Charles de Bouelles). Zudem stand er mit mit Bruno Amerbach aus Basel in Verbindung.[5] Nach der Abdankung Abt Porters, wohl aber erst nach dessen Tod am 26. März 1505, erhielt Barnabas Bürki in Paris die Nachricht von seiner Abtswahl.[6] Am 13. Juli 1505 ist er erstmals als Abt bezeugt.[7] Am 11. November 1505 erst feierte er seine Primiz, zu welcher er auch die Schirmorte einlud.[8] Da er mit seinen Pariser Freunden und anderen Humanisten der Innerschweiz in regem, Kontakt stand, wurde Engelberg durch ihn zu einem Mittelpunkt humanistischer Bestrebungen. In seiner Amtszeit stieg die Zahl der Mönche von zehn auf zwanzig. In der kleinen, auch Laien offenen Klosterschule war er selber als Lehrer tätig.[9] 1526 wurde er als solider Theologe zur Disputation nach Baden eingeladen und zum ersten der vier Präsidenten gewählt.[10] Um den Kontakt mit der Kollaturpfarrei Brienz aufrecht zu erhalten und die Gläubigen im alten Glauben zu bestärken, ging er persönlich nach Brienz, gegen den Willen der neugläubigen Regierung. Während sein Begleiter, Hans Imsand, auf der Flucht über den Brünig gefangen und enthauptet wurde, konnte der Abt über den Jochpass entkommen. Trotz grosser Bemühungen konnte er den Verlust des Haslitals und der Kollatur­pfarrei Brienz nicht verhindern.[11] Tatkräftig setzte er sich für die innere Reformes Klosters und die Disziplin der Mönche ein. Hierzu verlangte er in einem (undatierten) Abkommen von den Schirmorten freie Hand in der Ausübung seiner äbtlichen Rechte.[12] 1514 unternahm er auf eigene Kosten die Korrektion der Engelberger Aa, die bisher immer wieder zu Über­schwemmungen geführt hatte. Im sogen. Aawasserbrief vom 19.Juli 1514 legte der Abt die gegenseitigen Rechte und Pflichten von Kloster und Talleuten genau fest. Zugleich rief er den alten Brauch der «Bachputzete» wieder in Erinnerung.[13] Mit diesen und anderen rechtlichen Bestimmungen erwies er sich als weitblickender Gesetzgeber für das Tal. Unter ihm konnte 1513 auch der langwierige Alpstreit mit Uri beigelegt werden.[14] 1531 bis 1538 liess er das Engelbergerhaus in Luzern in Stein neu aufbauen.[15] Er starb am 29. Dezember 1546 an einem Schlaganfall.[16]

Einzelnachweise

  1. Die Lebensbeschreibung wurde weitgehend von der Helvetia Sacra (III I, S. 629f) übernommen.
  2. Weiss, Das Kloster Engelberg unter Abt Barnabas Bürki, S. 5 und 8-10.
  3. Staerkle, Beiträge zur spätmittelalterlichen Bildungsgeschichte St.Gallens, MVG 40, 1939, S. 237.
  4. Weiss, Das Kloster Engelberg unter Abt Barnabas Bürki, S. 32.
  5. Weiss, Bürki.
  6. Ibidem, S. 33.
  7. Durrer, Bruder Klaus I, S. 466, Anm. 7.
  8. Vogel, Barnabas Bürki, S. 51f, Beilage Nr. 2.
  9. Weiss, Bürki.
  10. Weiss, Das Kloster Engelberg unter Abt Barnabas Bürki, S. 83-90.
  11. Ibidem, S. 91-105.
  12. Original im StASchwyz, zit. nach Kopie im StiAEngelberg, Cod. 282, S. 6. (das dort vermerkte Jahr 1504 ist sicher zu früh)
  13. StiArEbg Cod. 240, S. 39, Vogel, Barnabas Bürki, S. 61-63, Beilage Nr. 9. Zur "Bachprozession" vgl. das Caeremoniale des Abtes Plazidus Knüttel, StiBiEngelberg Cod. 356.
  14. StiArEbg Urkunden, ed. in Vogel, Barnabas Bürki, S. 57-60, Beilage Nr. 7. Dazu StiArEbg Cod. 240, S. 33.
  15. Weiss, Das Kloster Engelberg unter Abt Barnabas Bürki, S. 150.
  16. StiBiEbg Cod. 10, fol. 24r, Eintrag zum 29. Dezember; StiBiEbg Cod. 11, fol. 47r, Eintrag zum 29. Dezember. Jahrbücher Engelbergs, S. 107f.

Bibliographie

  • Gottwald, Benedikt. Album Engelbergense seu Catalogus Reigiosorum O.S.B. exempti Monasterii B.V.M. in Monte Angelorum vulgo Engelberg in Helvetia circa annum post Christum natum 1082 fundati. Luzern 1882, S. 37.
  • Heer, Gall: Aus der Vergangenheit von Kloster und Tal Engelberg 1120–1970. Engelberg 1975, S. 157-164.
  • Helvetia Sacra, III I, S. 629f.
  • StiArEbg Professbucheintrag (Nr. 411) nach P. Gall Heer.
  • Vogel, Adalbert: Barnabas Bürki, Abt des gefreiten Stiftes Engelberg OSB, in: Geschichtsfreund 30, 1875, S. 1-91.
  • Weiss, Albert: Das Kloster Engelberg unter Abt Barnabas Bürki (1505-1546). Fribourg 1956 (ZSKG Beiheift 16).
  • Weiss, Albert: Bürki, Barnabas, in e-HLS.