Augustin Reding

Aus Kloster-Engelberg
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Augustin (Jakob) Reding (* 15. Mai 1651 in Schwyz; † 28. September 1707 in Engelberg)

Lebensdaten

Profess: 17. August 1670

Priesterweihe: 8. Juni 1675

Primiz: 1. Juli 1675

Ämter

Grosskellner: 1681–1692

Küchenmeister: 1681–16?

Pfarrer in Sins: 1692–1697, 1704–1707

Beziehungsnetz

Verwandtschaft

Sohn des Rudolf Reding, Schützenmeister, und der Maria Barbara Rüeplin.

Paten: Leonhard Schorno und M. Magdalena Büeler.

Lebensbeschreibung[1]

P. Augustins Vater war Rudolf Reding, Schützenmeister, seine Mutter Maria Barbara Rüeplin. Er wurde am 15. Mai 1651 geboren und auf die Namen Jakob Ludwig getauft. Am Gautede-Sonntag, dem 13. Dezember 1665 „hat der Hauptmann Johann Rudolf Reding sin son Jakob Ludwig an Tisch und Schule verdingt. Er verspricht allhier in eigener Person wöchentlich an Tisch 1 gld 10 b Luzerner Währung, den Win a parte zu bezahlen.[2]

Am 22. Juli trat er ins Noviziat ein. Fast ein Jahr darauf, am 21. Oktober 1667 besuchte ihn der Vater mit seinem Schwager, dem Talvogt Hauptmann Heinrich Franz ab Yberg. Und wieder ein Jahr darauf brachte der Vater[3] auch den Bruder Jakob Ludwigs, Josef, auch Jost.[4] Beide Brüder teilten den ihren Tisch mit P. Gabriel Bircher, dem Präzeptor, und Br. Johann Melchior, dem leiblichen Bruder des Abtes Betschart. 1668 gingen die beien Brüder zum Fest St. Michael (19. September) an die "Comedi" nach Altdorf und kehrten am 17. Oktober zurück.[5] Wo Jakob seine höheren Studien absolviert hat, ist unbekannt. Es fällt indes auf, dass sein Bruder Jost Dietrich, der seit 1667 zusammen mit seinem Bruder Jakob Ludwig in Engelberg studierte, vorher in der Schule der Jesuiten war.[6]

Der Taufschein für Jakob Ludwig ist ausgestellt von Jodocus Hicklin, Coadjutor ad S. Martinum Suitii, dem Pfarrhelfer von Schwyz, der durch seine Hilfsbereitschaft in der Krankenpflege und Seelsorge zur Zeit für Pest sich einen Namen machte.[7] Als Paten nennt der Taufschein Hauptmann Leonhard Schorno und M. Magdalena Büeler.[8]

Als die Profess für P. Augustin geplant war ergaben sich bei der Aussteuer des grössere Verhandlungen. Der Text lautet: "Im 22. Jahr hatte da Volk von Schwyz den Beschluss gefasst: Wo jemand die seinen in Klöster getan hätte oder noch darin täte, es wären Frauen- oder Mannesbilder, und denselben Klosterlüten filendt erb zue, wo dann das Kloster die Gerechtigkeit oder Satzung hat, dass man nicht ushar erben last, so es wieder zue Fall kommt, in das selb kloster soll man nicht erben lassen.'" Der Rückvermerk des Beschlusses drückt das so aus: "Wo man nicht aussen erbt, soll man auch nicht innen erben." Die Bestimmung von 1422 wurde während 200 Jahren nicht beobachtet, da sie dem Tridentinum widersprach. Jetzt wurde aie 1672 wieder hervorgeholt und streng interpretiert. Darum gab es 18. Juni 1672 in Schwyz eine Konferenz aus Anlass der Profess des P. Augustin Reding, mehr noch die Aussteuer, die der Vater Fähnrich Reding zu zahlen hatte. Wie P. Athanas a Castanea am 18. Juni schrieb, wurden sie in Schwyz nicht sehr gnädig aufgenommen. Man habe sie kaum zu Wort kommen lassen, auch nicht den Gruss des Abtes anhören wollen und sein Begleitschreiben vorlegen lassen. Offenbar beklagte er sich der Vater von P. Augustin vielerorts über Engelberg, das ihm Unrecht antue. Noch auf der Äbtekonferenz am 19. September 1672 streute er solche ehrenrührige Reden aus. Die Patres Gabriel Bircher und Athanas a Castanea liessen sich darauf von Abt Fridolin Summerer von Muri schriftlich bestätigen, dass der Vater Reding sich in ihrer Gegenwart über Engelberg beschwert habe. Sie wollten sich für die Zukunft gegen weitere unwahre Behauptungen absichern. Die Klage der Patres ist unterschrieben vom Abt von Muri und vom Abt Rheinau. Vater Reding wollte als Aussteuer 1000 Gulden zahlen aber nicht mehr, offenbar mit Einverständnis der der Regierung. In diesem Zusammenhang ist wohl der Eintrag im Rechnungsbuch zu sehen: "Herr Stattthalter Frans Betschart in Schwyz, 1699 soll er wegen Rudolf Reding, P. Augustins Vater, 227 gld. 30 b zahlen."[9] Ob es sich dabei um eine alte Schuld oder um ein Entgegenkommen gegenüber dem Kloster handelt, ist nicht klar. Franz Betschart scheint ein naher, Verwandter des Abtes gewesen zu sein. Abt Ignaz Betschart war ein guter Rechner, nicht nur in rechtlichen, sondern auch in finanziellen Belangen. Am 17. August 1670 rechnete er dem Vater Reding vor, was er in den Jahren 1665 bis 1670 bezogen und auch an Tischgeld versprochen hatte, seit 1676 auch für den zweiten Sohn Josef Theodor, dazu die Auslagen für das Noviziat und Profess, Aussteuer, väterliches und mütterliches Erbe. Der Vater versteifte sich darauf, nur 1000 gld. zu zahlen, obwohl er mehr in Aussicht gestellt hatte.

Der Abt machte den Vorschlag:

1. der Vater zahle pauschal, 1500 gld. samt einem Messgewand und Kelch zur Primiz, wie versprochen.

2. Einzelzahlung für die Austeuer von 1200 gld. samt Messgewand und Kelch.

3. alle Unkosten einzeln zu begleichen für Speisen und Trank, Messgewand und Kelch.

Aber Vater Reding ging auf keinen der Vorschläge ein. Der leidtragende war P. Augustin, dessen Profess verschoben wurde, bis die Sache finanziell geregelt sei. Ihm war der ganze Handelleid, er wünschte aber im Kloster zu bleiben und bald Profess ablegen zu können. Diesem Wunsch kam der Abt entgegen. So konnte sich Augustin nach längerem Warten am 17. August 1670 endgültig dem Kloster anschliessen. Der Abt schrieb dazu: "So ist aus einem Jakob Ludwig ein Fr. Augustin geworden, aus einem Sohn des Fähnrichs Reding ein Sohn des heiliaen Vaters Benedikt."

Wo P. Augustin die Studien in Philosophie und Theologie zum Abschluss brachte, ist ungewiss. Auf jeden Fall erhielt er am 17. Dezember 1672 den Subdiakonat durch den Nuntius, Edoardo Cibo in seiner Hauskapelle in Luzern, den Diakonat am 23. September 1673 in der Klosterkirche von Einsiedeln, schliesslich die Priesterweihe am 8. Juni 1675 durch den Nuntius in seiner Hauskapelle in Luzern. Gleichzeitig wurde Ägid Waldisbühl zum Diakon und Fr. Nikolaus Eckart zum Subdiakon geweiht.

Über die ersten Klosterjahre des P. Augustin herrscht Ungewissheit. Möglicherweise musste er noch seine Studien in Luzern abschliessen oder eventuell war er Lehrer an der Klosterschule. Nach P. Ignaz Hess[10] war er Pfarrer in Engelberg, doch führte er ihn in seiner Liste "Das geistliche Engelberg"[11], nicht an. Auf jeden Fall wurde er 1681 zum Grosskellner und Küchenmeister des Klosters ernannt. An diese Zeit könnte eine Pfarrstelle in Engelberg anschliessen. Vor allem aber wurde er als Bauleiter und Ökonom unter Abt Ignaz Burnott bekannt, der 1689 die Grafenortskapelle und 1690 das Herrenhaus in Grafenort nach den Plänen des P. Augustin errichten liess.[12] P. Augustin hatte auch die Bauleitung bei den Bauten des Sakristei- und Bibliothekgebäudes. [13]

Am 20. Januar 1692 wurde P. Augustin nach Sins versetzt, wo er bis am 24. Februar 1697 blieb und nochmals vom 13. Juli 1704 bis 17. Juli 1707 zurückkehrte. In die Frühzeit des P. Augustin gehört der Eintrag im Rechnungsbuch "Item des Jakob Ludwigs Pfenster gemacht", wohl eine kleinere Reparatur, da sie nur mit 20 Batzen berechnet ist.[14] Dass P. Augustin wegen seit1es Kunstsinnes im Kloster geschätzt war, zeigt sein gutgeheissener Auftrag für Altäre: "die beiden Altäre der heiligen Märtyr und der heiligen Jungfrauen, die dem Luzerner Bildhauer Michael Hartmann in Auftrag gegeben wurden, sollten gemacht werden 'in Form und Gestalt' wie solche von R. P. Augustino absonderlich beschrieben wurde".[15]

Als P. Augustin 1686 zum Grosskellner ernannt wurde, gab man ihm P. Plazidus Hess, den späteren Abt, zum Gehilfen, "weil das Amt sehr schwierig ist". Am 30. April 1688 ging er mit P. Benedikt Pfyffer, begleitet von P. Ambros Püntener, der nach seiner Lehrtätigkeit in Engelberg auf Wunsch des dortigen Abtes in sein Kloster zurückkehrte, in Einsiedeln für einige Tage auf Besuch.

Aus seiner Pfarreitätigkeit in Sins zeigt eine Quellenstelle, dass P. Augustin entschieden auftreten konnte, wenn es um Erziehung ging. "Die Kinder sollen in der Schule fleissig sein und die Eltern sollen sie zum Schulbesuch anhalten, wenn sie anständige Kinder haben wollen, nicht solche, die den unvernünftigen Vierbeinern gleichen".[16] Straumeyer, der eine Zusammenstellung der Sinser Pfarrherren gab, machte bei Reding die nicht leicht verständliche Anmerkung: "Nescio, cur ab hoc tempore Sinsensium a terra maledicta appellatur".[17] Es könnte damit zusammenhängen, dass P. Augustin mit seinen kräftigen Bemerkungen über die Erziehung bei Jung und Alt in Sins Anstoss erregte und damit mit manchen Sinsern in Streit geriet. Die Bemerkung im Artikel von Franz Rohner könnte eine Erklärung dafür geben, dass damit Sins bei den Patres von Engelberg etwas in Verruf geriet.

In der Stiftsbibliothek ist P. Augustin durch die Codices 728 bis 731 Vertreten. Es sind Vorlesungen der Philosophie. Sie sind für den Schreiber insofern geradezu charakteristisch, als die Titelblätter mit einer Unmenge von Schnörkeln fast bis zum Rand angefüllt sind, die seine wahre Freude und Begabung für das Zeichnerische zum Ausdruck bringen und den künftigen Bauleiter wichtiger Unternehmungen unter Abt Ignaz Burnott erkennen lassen. Manches ist noch unfertig, besonders die Wappenzeichnungen, offenbar rasch hingeworfen aber stets herrscht ein sicherer Strich vor. Dem Inhalt nach sind es Vorlesungen aus dem Gebiet der Philosophie, auch eine Rhetorik Vorlesung ist erhalten. Beide deuten auf Benützung in der klösterlichen Hausfakultät hin, wie sie durch die Äbte Betschart und Fleischlin zur Hauptsache begründet wurde.

Werke

  • StiBiEbg cod. 728–731, Vorlesungen der Philosophie.

Einzelnachweise

  1. Die Lebensbeschreibung wurde weitgehend von P. Gall Heer (StiArEbg Professbucheinräge) übernommen.
  2. Machte im ersten Jahr bis 13. Dezember 1666 an den Tisch 65 gld. An Wein täglich ein 1 Quart machte durch das Jahr 91 ein Viertel Mass, dazu extra acht Mass. Ist in summa 99 Mass. Die Quart zu 10 batzen = 37 gld. 11 b. Auf Begehren seines Herrn Vaters ihm ein Rock von Mazalam gemacht, dazu ein Spazierrock von Gadit, item am 13. Mai ein Rock von schwarzer Farbe,eine Klosterkappe (Horaz) und ein Paar Strümpfe. Sowie das, was er sonst aus dem Vestiario Schneiderei und extra empfangen, ist alles summa 2l gld. 23 b. Summa, die bis am 13. Dezember 1666 begleichen sollte = 122 gld. 34b. 4a (Angster).
  3. Über den Vater von P. Augustin findet sich eine Stelle in StiArEbg cod. 42, S. 88. Hier zahlte Statthalter Franz Betschart "wegen Rudolf Reding, P. Augustins Vater, 227 gld". Die in Titlisgrüsse 3, S. 144 geäusserte Vermutung, der Vater des P. Augustin sei früh gestorben und dass deshalb ein Vormund die Verhandlungen zur Aussteuer führte, erwies sich als unwahr, wie die Ausführungen weiter unten zeigen.
  4. Dieser hatte eine erfolgreiche Laufbahn vor sich. 1682 war er Kapitän­ Leutnant in französischen Diensten, dann Ratsherr und Lehenvogt des Stiftes St. Gallen, 1689 Vogt in Schwarzenbach (St. Gallen). Er war 1724 bis 1732 Talvogt in Engelberg. Vgl. Straumeyer, Annales 3, StiArEbg cod. 223, S. 619.
  5. StiArEbg cod. 42, S. 207.
  6. P. Gall Heer meinte, dass die Namen nicht genau wiedergegeben wurden, weil das Verzeichnis zuweilen ungenau ist. Siehe dazu: Glauser, Verzeichnis, S. 167.
  7. Dettling, Denkwürdigkeiten, S. 163.
  8. Auf der Rückseite der Professformel des P. Augustin hat Abt Betschart die Namen der Eltern notiert: Johann Rudolf Reding und Barbara Rüeplin aus Frauenfeld. 17. Aug. anno 1670. Wohl ein Hinweis darauf, dass damals der Vater Landvogt im Thurgau war.
  9. StiArEbg cod. 42, S. 88.
  10. Die Pfarr­geistlichen, S. 107.
  11. Verzeichnisse 26/27
  12. Durrer, Kunstdenkmäler des Kantons Unterwalden, S. 332-335.
  13. Durrer, Kunstdenkmäler des Kantons Unterwalden, S. 142, wo indes die Tätigkeit des P. Augustin nicht hervorgehoben wird.
  14. StiArEbg cod. 44, S. 159.
  15. StiArEbg cod. 42, S. 343.
  16. Rohner, "400 Jahre Schule Sins" 1945, S. 14.
  17. Zu deutsch: Ich weiss nicht, warum seit dieser Zeit Sins als verdammt bezeichnet wird. Siehe: Straumeyer, Annales 4, StiArEbg cod. 224, S. 241.

Bibliographie

  • Gottwald, Benedikt: Album Engelbergense. Luzern 1882, S. 117.
  • StiArEbg Professbucheintrag nach P. Gall Heer.