Athanas a Castanea

Aus Kloster-Engelberg
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Athanas (Melchior) a Castanea (* 1. Januar 1632 in Luzern; † 18. März 1692 in Engelberg)

Lebensdaten

Profess: 24. Juni 1648

Priesterweihe: 11. März 1656

Ämter

Pfarrer in Engelberg: 1660–1663, 1664–1670, 1672–1676, 1678–1686

Subprior: 1664

Archivar: ?

Bibliothekar: ?

Vestiar: 1670

Kapitelssekretär: 1685

Beziehungsnetz

Verwandtschaft

Sohn des Ludwig a Castanea und der Elisabeth.

Onkel: Melchior Balthasar a Castanea

Lebensbeschreibung[1]

Die nächste Verwandtschaft dieses Paters lässt sich fast ganz aus dem Engelberger Nekrolog II herauslesen. Die Familie kam mit Hansjörg von Castanea, Hauptmann und Gutfertiger (Spediteur) aus altem Luganeser Geschlecht nach Luzern und erhielt hier schon bald das Bürgerrecht der Stadt. Hansjörg starb 1618. Seine Nachkommen Melchior Balthasar, der Onkel von P. Athanas, und Nikolaus Meyer, die geschäftlich eng zusammenarbeiteten, gelangten zu grossem Reichtum, besonders durch den bedeutenden Transitverkehr zwischen Basel und Mailand, den sie weitgehend beherrschten. Der Name des Vaters von P. Athanas ist im Nekrolog II zum 5. Februar eingetragen: "Gedenket durch Gott Ludegarii von Castagna, starb 1635, den 23. Hornung."[2] Zum 26. Februar ist zudem eingetragen: "Gedenkent durch Gots Willen Frau Elisabeth von Castagna, hat uns gäben 50 gulden durch ir Seelenheil. Die sind kommen an di nüw orglen. Gott sei ir und uns allen gnädig. Starb, da man zählt 1630" zum 27. Februar: "Gedenkt durch gots willen Johannes von Castanga", wohl ein Bruder des P. Athanas.[3] Ein weiterer Eintrag gibt es zum 3. Mai: "Der ehrwürdigen in Gott geistlichen und andechtigen frowen schwester Constanzia von Castangia starb den 3. Mey 1652 Gott tröst ar seel unnd all christgläubig seelen».[4]

So nahm sich der Onkel, Melchior Balthasar, dem jungen Neffen an, der auch seinen Namen trug. Nach dem Taufzeugnis vom 1. Januar 1632 war dieser Onkel M des P. Athanas war und bemühte sich als solcher, für ihn zu sorgen.[5] Der erwähnte Onkel des P. Athanas, Melchior Balthasar, zeigte in seinem Brief vom 20. November 1642, dass er sich um seinen Neffen sorgte. Seine Zeilen sollen deshalb kurz hier festgehalten werden. Er hatte durch Chorherr Ludwig Meyer, wohl seinem Schwager, beim Abt von Engelberg, Plazidus Knüttel, erfahren, dass seines Schwagers Sohn an Tischgeld angenommen werde. Der Abt habe in den letzten Tagen eingewil1igt, dass er gegen Bezahlung von 2 Gulden wöchentlich angenommen werde. Er hoffe, dass der Knabe und vaterlose Sohn, mit Gottes Gnade zum geistlichen Stand komme. Balthasar wollte jedes halbe Jahr, oder wie der Gnädige Herr es für gut findet, das Tischgeld bezahlen,und wenn er mit Gottes Gnade in das Kloster aufgenommen würde, möchte er auch die Aussteuer übernehmen. Der Onkel glaubte, er werde gute Studien machen und man müsse sich über ihn nicht beklagen. Er habe einen guten Kopf, sei aber unruhig und lebhaft, was sich aber mit den Jahren bessern lasse. Mit diesem Urteil deckt er sich auffällig mit dem Brief des Abtes Ignaz Betschart vom 1. Mai 1670 an Prior Gregor Fleischlin in Sins. Der Abt hatte damals P. Athanas als Vikar und Stellvertreter nach Sins geschickt, bis P. Gregors Nachfolger P. Karl Troger die Pfarrei übernehmen könne. P. Athanas schien dem Abt zu unselbständig und rasch entschlossen zu sein, um selber den Posten in Sins übernehmen zu können. Man müsse ihm etwas auf die Finger schauen. Onkel Balthasar hatte seinen Neffen demnach nicht schlecht beurteilt. Er wollte bald darauf einmal den Jungen in Engelberg vorstellen und bat, man möge ihm Weisungen geben, wie er sich verhalten solle, so dass man mit ihm zufrieden sein könne. Balthasar hatte bereits ein Bett, Kleider und Bücher zusammengepackt, um sie dem Engelberger Säumer mitgeben zu können. Dann folgte das Post scriptum im Brief: "Des Wins halber hat man ihm bis dato keinen gegeben. Ist nicht notwendig, dass er solchen erhalte, da er noch zu jung ist." Er war damals zehnjährig, war mit neun Jahren zu den Jesuiten in die Schule gekommen.[6] Er war am 1. Oktober 1640 in die erste Klasse eingetreten. So besuchte a Castanea Klosterschule, wechselte 1647 ins Noviziat und legte am 24. Juli des folgenden Jahres die Profess ab.

Im Sommer 1652 hatte er an einem Vakanztag mit seinem Philosophie­professor P. Ignaz Betschart Gelegenheit, eine Bergwanderung in Richtung Hahnen bei Engelberg zu unternehmen. Sie müssen sich dabei verstiegen haben und gerieten in die Region des harten Firnschnees. P. Athanas kam dabei ins Rutschen und war, nach seinen eigenen Aussagen, nahe daran, über eine Felswand zu stürzen. Er sauste kopfvoran in einen Schrund und soll dreimal die heiligen Namen "Jesus, Maria" gerufen haben und erinnerte sich im letzten Moment an den heiligen Leontius, der in Muri in besonderer Verehrung stand. Im gleichen Augenblick der Anrufung kam er in seinem Sturz zum Stillstand. P. Ignaz, der den Sturz gar nicht beachtet hatte, konnte zu ihm hinunter­ steigen und ihn aus seiner gefährlichen Lage retten. Der ganze Bericht wurde von P. Athanas aufgezeichnet.[7]

Die Weihe des Subdiakonats erhielt P. Athanas durch Nuntius Carafa am 1. Juni 1653 in der Peterskapelle in Luzern, den Diakonat am 28. Februar 1654 durch denselben Nuntius in seiner Privatkapelle. Die Priester­weihe erteilte ihm am 1. März 1656 Propst Jodok Knab in der Kirche im Hof. Als der Kleine von der Jesuitenschule nach Engelberg übersiedelte, erhielt er vom Rektor P. Mauritius Bürge ein sehr rühmendes Zeugnis, das ihn als ersten der Klasse bezeichnete.[8] Für die Theologie fand er in P. Ignaz Betschart einen tüchtigen Lehrer.[9]

Die nun folgende Wirksamkeit des P. Athanas war im Kloster sehr viel­seitig, da er fast überall eingesetzt werden konnte. Vor allem war er ein tüchtiger Prediger, den man von verschiedenen Seiten herbeirief. Abt Karl Stadler sprach in seinen "Viri illustres" von zwölf Predigtbänden mit einem eigenen Registerband, eine gewaltige Leistung.[10] Die meisten hielt er als Pfarrer von Engelberg in den Jahren 1660 bis 1663, 1664 bis 1670, 1672 bis 1676 und nochmals 1678 bis 1686. Dazu kommt die Tätigkeit in Sins vom 11. Mai 1670 bis 23. November gleichen Jahres sowie vom 3. Mai 1676 bis 20. November 1678. Am 4. März 1662 predigte er zum Sonntag "Laetare", wie es heisst "extemporaliter", ohne Vorbereitung als Einleitung zur "Tragoedia de animabus in purgatorio", die am Nachmittag aufgeführt wurde. Im am 23. Juli gleichen Jahre musste er ganz unerwartet als Prediger einspringen für Johann Melchior Imhof, Pfarrer und Dekan in Altdorf.[11] Am 4. August 1663 war er Ehrenprediger am Fest des heiligen Dominikus bei den Klosterfrauen in Schwyz.[12] P. Ildephons Straumeyer macht dazu die Bemerkung: "Er war Prediger verbo, scriptis et exemplis", "vir zelo plenus".[13]

Unermüdlich war er überdies tätig als Abschreiber für das Archiv. So trug er das archivalische Material als Beweisführung für das Erb- und Lehensrecht des Klosters im Niederberg 1685 zusammen. 1664 unterschrieb er als Subprior, 1663 wurde er als Ökonom bezeichnet.[14] 1685 war er Kapitelssekretär und schrieb ein "jus patronatus in Subsilvania".[15] Ebenso über die "Pfarrei und ihre Grenzen nach dem Lehenstreit mit Nidwalden[16] sowie 1685 eine "Demonstratio Juris Patronatus" [17]. Für das damals vielgelesene Werk von Kaspar Lang, Historisch-theologischer Grundriss[18] stellte P. Athanas dem Autor das Material über Engelberg zur Verfügung.[19] Aus den Jahren 1663 bis 1670 ist ein historisch wertvolles Gästebuch von ihm erhalten. Anschliessend folgt ein Rechnungsbuch für Küche und Angestellte.

Er kommt aber auch als Vestiar vor, als Verwalter der Kleiderkammmer, so 1670, da er der Wäscherin und Näherin Anna Barbara Arnet eine Rechnung ausstellte.[20] Am 20. Juli wurde er in der Nacht nach Schwyz gerufen, wo seine Schwester im Frauenkloster im Sterben lag und nach ihm verlangte.[21] 1683 war er mit P. Gregor Fleischlin, dem Marchstaller und Lakaien samt drei Rossen zur Abrechung in Sins.[22] Von ihm stammt auch die Sammlung "Electiones, praesentationes et confirmationes Abbatum nostrorum".[23] So ist es verständlich, dass P. Ildephons Straumeyer ihn rühmt: Archivum non exhausit, sed imbibit maxime R.P. Athanasius, qui archivi laboribus vix non immortuus videtur".[24] So war es ihm offenbar ein Bedürfnis, zwischendurch eine Abwechslung zu erleben, wie etwa am 1. Oktober 1680, als er mit dem Kanzler des Klosters zum Wimmet nach Küsnacht ritt,[25] oder als er mit P. Gabriel am 5. Dezember 1698 wegen der umstrittenen Frage der Beichtigerstelle in Sarnen beim Nuntius in Luzern vorsprach.[26] Dass er aber auch das Angenehme mit dem Nützlichen zu verbinden wusste, verrät Staumeyer in seinem Diarium, dass er die Talleute anlässlich der damals noch geforderten "Bachputzete" mit Tabak und Kastanien zu gewinnen suchte, wenn sie im Eifer der Arbeit nachlässig wurden.[27] Es liegt nahe, dass er auch für die Stiftsbibliothek arbeitete. Es sind noch Bände von ihm erhalten. Neben einem Predigtkorpus liegen noch die Vorlesungen des P. Ignaz Betschart vor. In Cod. 648 fügte er bei: "Excepit Fr. Athanasius... hunc librum compingi fecit affinis meus Leodegarius von Laufen."[28] Weiter sind aus seiner Privatbibliothek an gedruckten Büchern erhalten:

  • Eine zweibändige Historia Romana von Titus Livius (Lyon 1622) mit dem Besitzervermerk «sum Melchioris Balthasaris a Castanea Lucernensis 1642 – Monasterii Engelbergensis 1648».[29]
  • Ein Epigrammaticon von Martial (Dillingen 1626) mit Besitzervermerk von 1642.[30]
  • Ein De oratore von Cicero (Dillingen 1631) mit Besitzervermerk von 1646.[31]
  • Von Marcellus Mastrillus ein Werk über den hl. Franz Xaver (Dillingen 1648) mit Besitzervermerk von 1670.[32]
  • Und die Flores sive phrasium poeticarum thesaurus (Köln 1632) mit dem Besitzervermerk «Sum Melchioris Balthasaris a Castanea» auf dem Titelblatt und «Nunc sum monasterii Sanctae Mariae ad Montem Angelorum» auf dem Vorsatzblatt.[33]

Zu diesem reichen Ertrag kommt aber noch ein anderer, der noch nicht erwähnt wurde, der ihn aber am meisten in der Nachwelt bekannt machte: Seine Tätigkeit als Dichter. Abt Karl Stadler sagte von ihm, er habe vierzehn Stücke geschrieben.[34] So beispielsweise "Comediae tum vulgaris, tum Latina idiomate elaboratae", dazu "Historia Miraculorum S. Eugenii Martyris et alia". Diese Angaben lassen sich indes nicht nachprüfen. Sicher ist nur, dass er ein Stück geschrieben hat: "Sanctus Johannes Calybita a studiosis Monasterii Montis Angelorum".[35] Cod. 363 der Stiftsbibliothek ist ohne Jahr und Autor über­ liefert, steht aber dem anderen nahe. Doch dies genügte, dass P. Athanas in die Geschichte des Schweizer Barocktheaters Eingang fand.[36] P. Athanas starb am 18. März 1692 nach langer, schwerer Krankheit, vormittags um halb zehn Uhr.

Werke

  • Notizen der Vorlesungn von Abt Ignaz Betschart (in den Fächern Logik, Physik, Philosophie und Moral), StiBiEbg codd. 647-652.
  • Predigtkorpus Bd. 1–12, StiBiEbg codd. 653-665.
  • "Sanctus Johannes Calybita a studiosis Monasterii Montis Angelorum", StiBiEbg cod. 362.

Einzelnachweise

  1. Die Lebensbeschreibung wurde weitgehend von P. Gall Heer (StiArEbg Professbucheinräge) übernommen.
  2. StiBiEbg cod. 10, f. 28b.
  3. StiBiEbg, cod. 10, fol. 28v.
  4. StiBiEbg cod. 10, fol 33r.
  5. Der Taufschein ist übrigens erst am 1. Februar 1646 von Pfarrer Peter Oberhensli ausgestellt.
  6. Glauser, Schülerverzeichnis, S. 76.
  7. Er liegt heute bei den Akten des Klosters Muri im Staatarchiv Aarau (B 2975). Eine gedruckte Überlieferung erschien unter dem TitelGedeonische Wunderfakel: Gebetserhörungen durch die Fürbitte des hl. Leontius. Zug 1706.. Eine Ausgabe liegt auch in der Stiftsbilbiothek Engelberg (E 530).
  8. Das Zeugnis ist datiert am 18. November 1642.
  9. An dessen Tätigkeit als Professor der Philosophie erinnert noch heute eine gedruckte These, wie sie damals auch in Klöstern oft üblich war. 1653 erschien bei David Hautt in Luzern "Physiognomia philosophica, quam in celeberrimo BMV de Monte Angelorum Praesidente RPF Ignatio Betschart, monacho ibidem professo er Philosophiae Ordinario publico examine proponiunt Rev. Religiosi et perdocti Fratres Athanasius a Castanea et Anselmus ab Atzigen, ibidem professi, mense, die, hora, anno a Pariente Virgine 1653 Lucernae, Typis Davidis Hautt, Biblopolae Viennensis et Lucernensis (StiBiEbg Her g,k 4, P. Anselm ab Atzigen in der folgenden Nummer).
  10. StiBiEbg cod. 653-665, wo von 1024 Predigten aus den Jahren 1656 bis 1691 die Rede ist.
  11. Diese beiden Predigten sind in der StiBiEbg 656, Nr. 235 und 212 erhalten.
  12. StiBiEbg cod. 656, Kr. 246.
  13. Straumeyer, Annales 6, StiArEbg cod. 226, S. 210.
  14. StiArEbg cod. 42, S. 279.
  15. Odermatt, Collectanea Bd. 2, StiArEbg cod. 211, S. 561-677.
  16. Odermatt, Collectanea Bd. 2, StiArEbg cod. 211 S. 573-602.
  17. StiArEbg cista Nidwalden, Kirchlich II.
  18. Einsiedeln I, 867-903, 1692.
  19. Straumeyer, Annales 1, StiArEbg cod. 221, S. 56.
  20. StiArEbg cod. 44, S 65.
  21. Rechnungsbuch Sins, unter diesem Datum.
  22. StiArEbg cod 42a, S. 365.
  23. Straumeyer, Annales 7, StiArEbg cod. 227, S. 89.
  24. P. Athanas hat das Archiv nicht nur ausgeschöpft, sondern es gerade zu in sich hineingetrunken und sich durch seine Arbeiten unsterblich gemacht.
  25. Tagebuch P. Karl Troger 1680, in: StiArEbg Personalakte P. Karl Troger (Transkription in: StiArEbg Nachlass P. Ignaz Hess, Manuskripte 1942, XX.6.
  26. K. Christen, StiBiEbg cod. 8, S. 127, S. 305.
  27. Straumeyer, Descriptiones, StiArEbg cod. 200, S. 95.
  28. Über diesen Schwager des P. Athanas, siehe Titlis Grüsse 1918, S. 107ff.
  29. StiBiEbg 445 o 20-21.
  30. StiBiEbg 445 m 14.
  31. StiBiEbg 418 q 1.
  32. StiBiEbg E 599a.
  33. StiBiEbg I 901.
  34. StiBiEbg cod. 257, 110.
  35. StiBiEbg cod. 362.
  36. Hess, P. Marian Rot, S. 54, Bischof, P. Berchtold: "Jakob Bidermanns Johannes Calybita", 1932, S. 1. Eberle, Oskar: Theatergeschichte der Innerschweiz, 1929 S. 167.

Bibliographie

  • Gottwald, Benedikt: Album Engelbergense. Luzern 1882, S. 112.
  • StiArEbg Professbucheintrag nach P. Gall Heer.