Anton Eglise

Aus Kloster-Engelberg
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Wappen von P. Anton Eglise.

Anton (Johannes) Eglise (* 1576 in [[]]; † ubekannt)

Lebensdaten

Profess: 29. Juni 1606

Priesterweihe: 23. September 1600

Ämter

Novizenmeister: 1605–1608

Prior: 1605–1608

Beziehungsnetz

Verwandtschaft

Sohn des Anton Eglise.

Lebensbeschreibung[1]

P. Anton stammte aus Fribourg und wurde 1576 geboren. Er erhielt den Taufnamen Johannes. Von den Eltern ist nur der Vater Anton bekannt. P. Anton soll vor dem Eintritt in Engelberg Franziskaner in Solothurn gewesen sein.[2] Nach P. Gall Heer sind im Staatsarchiv Solothurn keine Hinweise hierzu vorhanden. Unmöglich scheint indes ein solcher Beginn nicht, da er schon als Priester ins Kloster kam. Es ist anzunehmen, dass er seine höheren Studien in Besançon machte, da er dort auch die heiligen Weihen empfing. Friburg war damals Suffragan von Besançon. Erzbischof von Besançon war von 1587 bis 1636 Ferdinand de Rye, Abt von St. Claude, Prior von St. Just, auch Abbas Clari loci (Cherlieu).[3] Als Weihedaten sind überliefert: Tonsur am 17. Dezember 1599, niedere Weihen am 18. Dezember 1599, Diakonat am 17. Mai 1600 und die Priesterweihe am. 23. September 1600. Alle Weihen wurden gespendet durch Jean Doroz (Dorotheus) von Lausanne, Generalvikar des Erzbischofs Ferdinand de Longwy, genannt de Rye, in der Abteikirche des heiligen Vinzenz O. Cist.[4] Eglise scheint damals im Kloster willkommen gewesen zu sein, war er doch der einzige Priester mit abgeschlossener theologischer Ausbildung. So ist es auch zu erklären, dass er noch als Novize zum Novizenmeister für die jungen Patres ernannt wurde, und damit wohl auch in seiner monastischen Haltung und Grundschulung zu kurz kam. Denn er wurde bereits im November 1605, als der bisherige Professor und Prior P. Erasmus von Altmannshausen wieder in sein Kloster St. Gallen zurückkehrte, sein Nachfolger im Amt. Er legte zwar am 29. Juni 1606 seine Profess ab. Doch verfiel er, wie Knüttel sagt, der ihn noch persönlich kannte, immer mehr einer schlimmen Trägheit und Schläfrigkeit und schien eine Art Geisteskrankheit vorzutäuschen. Schon 1608 floh er aus dem Kloster. Am Tag, da Ägid Furrer nach seiner Heilung seine Dankes­wallfahrt nach Einsiedeln antrat, begann auch Eglise besonders zu beten, sodass man glauben mochte, Eglise habe den Mitbruder Ägid nachahmen wollen. Am 13. August 1608 flüchtete er mit Hilfe eines Klosterschülers und der Meisterin des Frauenklosters Apollonia Lucia Meyenberg nach Stans.[5] Die Magistra wurde von ihrem Amt abgesetzt. Im Oktober 1608 floh Eglise ein zweites Mal aus dem Kloster, nachdem er dem Prior Adelhelm Knoll die Kutte vor die Füsse geworfen hatte. Er versteckte sich, versuchte bei früher Nacht die Flucht, lief aber dem Abt in die Hände, der ihn einsperren liess und zu öffentlicher Kirchenbusse verurteilte, indem er an den vier Advents­onntagen in der Kirche öffentlich seine Schuld bekennen musste.[6] Eine dritte Flucht versuchte er im Dezember 1611. Er wurde dabei gefasst und in Ketten gelegt. Am 18. Januar 1612 gelang ihm die Flucht doch noch. Er blieb bis zum 16. Dezember 1612 weg, fast ein Jahr. Subprior Benedikt Keller nahm ihn in Luzern wieder in Empfang aber drei Tage später, am 27. Dezember, entkam er wieder durch ein Fenster. Der Abt hatte ihn zu gewinnen gesucht, indem er ihn zum Küchenmeister, nach anderer Version, zum Grosskellner machen wollte. Doch ohne Erfolg. P. Anton soll nach Rom gegangen sein und dort Dispens von den Gelübden erhalten haben. Von diesem Zeitpunkt an ist nichts Sicheres mehr überliefert.[7] Aus einem Brief des Abtes Jakob Benedikt Sigerist an den Abtpräses in Einsiedeln ist noch folgendes bekannt: "Ich habe schon mehrfach Schultheiss und Rat von Freiburg schriftlich und mündlich durch Boten ersucht, sie sollten den mehrfach flüchtigen P. Anton Eglise dort wohnen und als Priester wirken lassen. Sie hätten ja wegen der Pest auch Priestermangel. Übrigens habe Sebastian Werro (Weronius) ihm berichtet, Anton habe offensichtlich keinen Klosterberuf. Er habe vor vielen Jahren wegen schwerer Krankheit eine Gehirnverletzung erlitten." Der Abt glaubte allerdings nicht recht daran, dass er sich gut halten werde, nachdem er oft ausgerissen sei und zuletzt nochmals die Gelübde erneuert habe.[8] Ob die Bemühungen des Abtes Erfolg hatten, ist aus den vorliegenden Quellen nicht ersichtlich. Sebastian Werro war mit Engelberg einigermassen verbunden als Neffe des Abtes Rudolf Gwicht, da seine Mutter eine Schwester des Abtes war. Nach Ignaz Odermatt soll Eglise am 11. November 1631 gestorben sein. Doch lässt sich die Angabe nicht nachweisen.

Einzelnachweise

  1. Die Lebensbeschreibung wurde weitgehend von P. Gall Heer (StiArEbg Professbucheinräge) übernommen.
  2. Collectanea Tanner 3 (1600-1619), StiArEbg cod. 283, S. 192.
  3. Gallia Christiana XV (186P), S. 107f.
  4. Über Doroz siehe L. Waeber in: Zeitschrift für Schweiz. Kirchengeschichte 33, 1939, S. 146.
  5. Collectanea Tanner 3 (1600-1619), StiArEbg cod. 283, S. 269.
  6. Collectanea Tanner 3 (1600-1619), StiArEbg cod. 283, S. 28.
  7. Collectanea Tanner 3 (1600-1619), StiArEbg cod. 283, S. 364.
  8. Collectanea Tanner 3 (1600-1619), StiArEbg cod. 283, S. 362.

Bibliographie

  • Gottwald, Benedikt: Album Engelbergense. Luzern 1882, S. 106.
  • StiArEbg Professbucheintrag nach P. Gall Heer.