Anselm Wachter

Aus Kloster-Engelberg
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Anselm (Franz Xaver) Wachter (* 16. April 1857 in Isny; † 12. Juni 1907 in Mount Angel)

Lebensdaten

Profess: 22. Oktober 1875

Priesterweihe: 29. Juni 1880

Primiz: 11. Juli 1880

Ämter

Lehrer in der Stiftsschule: 1880–1882

Missionar in Mount Angel: 1882–1907

Lebensbeschreibung[1]

P. Anselm stammte aus Isny im Baden-Württemberg. Er wurde am 16. April 1857 geboren und auf den Namen Franz Xaver getauft. Durch die Vermittlung seiner älteren Schwester, Sr. Bernardine, die Klosterfrau im Kloster Maria-Rickenbach war, kam er als talentierter Knabe an die Klosterschule Engelberg, wo er alle Klassen mit bestem Auszeichnungen absolvierte. 1874 trat er ins Kloster Engelberg ein und konnte am 22. Oktober als Fr. Anselm Profess ablegen. Von 1876 bis 1877 absolvierte er die Philosophie, einige Naturfächer und einen Teil der Theologie am Lyzeum im Kloster Einsiedeln. Die Priesterweihe empfing er am 29. Juni 1880.

Von 1880 bis 1882 war er Lehrer an der Stiftsschule. Abt Anselm Villiger, der grosse Stücke auf den jungen P. Anselm hielt, sandte ihn, nachdem das Konventkapitel im Juli 1882 beschlossen hatte, eine Neugründung in Oregon zu wagen, nach Amerika, "damit er dort helfe, ein neues Kloster zu gründen". Unter der Führung von P. Adelhelm Odermatt brach die Gruppe am 25. September 1882[2] nach Portland Oregon auf. Darunter befanden sich seine Mitbrüder P. Beda Horat, P. Barnabas Held und Br. Theodul Würsch, sieben Fratres, zwei Kandidaten und einigen Studenten, weiter mit fünf Schwestern von Maria-Rickenbach und drei Sarner Schwestern, insgesamt 26 Personen.[3] Am 11. Oktober landete man in New-York und am 28. Oktober[4] kamen sie in Gervais an, wo sich die Mönchsgruppe in dem neben der Holzkirche befindlichem Pfarrhaus von Gervais niederliess. Gervais wurde der Hauptplatz des neuen Priorates. Am 1. November wurde in Gervais der erste Gottesdienst gehalten.[5] Dort blieben sie bis zum Sommer 1884.[6]

P. Anselm war Leiter des katholischen Institutes und Schwesternhaus des Benediktinerinnenpriorates in Gervais, welches die Schwestern von Maria Rickenbach errichtet hatten. Dann wurde er Pfarrer der St. Mariengemeinde von Mount Angel. 1893 liess er eine neue Holzkirche[7] erbauen die im Oktober 1893 bezogen und von Prior P. Adelhelm Odermatt in Anwesenheit des Erzbischofs eingeweiht werden konnte.

Er war ein besonders sprachbegabter Mensch und lernte mit grosser Leidenschaft weitere Sprachen. Besonders hervorragend beherrschte er Latein, Griechisch und Hebräisch, viel besser als mancher Professor. Besonders die Hebräische Sprache studierte er mit Leidenschaft und vervollkommnete sich immer mehr darin. Er besuchte oft die Rabbiner, die an der Synagoge in Portland angestellt waren und nahm auf deren Einladung auch als Besucher am hebräischen Gottesdienst teil. Er war mit dem Talmud und manchen jüdische Autoren gut vertraut. In der israelitischen Gemeinde in Portland war P. Anselm eim angesehener Mann.

In seinem Nachruf steht: "Unter grossen Entbehrungen und Quälereien machte P. Anselm getreuhlich mit und leistete er vieles als Professor und Seelsorger. Er war Seelsorger von wenigstens einem halben Dutzend kleiner Gemeinden rings um Portland Oregon. In letzter Eigenschaft besorgte er zuerst die grosse Pfarrei Gervais, dann Mount- Angel und seit etwa 12 Jahren (1895) die Herz Jesu Pfarrei in Portland mit umliegenden Gemeinden. Sobald er einen Assistenten erhalten widmete er sich mit großer Aufopferung den Außengemeinden, von denen eine etwa 30 Meilen von der Stadt entfernt ist. Jeden Sonntag besuchte er eine derselben zu Pferde und kein Wetter war schlecht genug, ihn von diesen beschwerlichen Ritten zurückzuhalten. In diesen Gemeinden baute er mehrere kleine Kirchen und sorgte er auch für Schulen. Man darf ruhig sagen, dass er dieselben mit grossen Opfern aufgebaut und wir fügen noch hinzu, dass er durch diese Seelsorge und durch die Strapatzen und Entbehrungen die damit verbunden sich indirekt den allzufrühen Tod geholt."

Neben den alten Sprachen studierte er auch fleissig die englischen und deutschen Klassiker. Weiter beherrschte er die französische und italienische Sprache und seit 1897 auch die polnische und tschechische Sprache, die er soweit beherrschte, dass er darin auch predigen und mit den Leuten verkehren konnte. Gut bewandert war er aber auch in den theologischen und philosophischen Wissenschaften sowie auch in der Kirchen- und Profangeschichte und in den mathematischen Fächern. Studieren war für ihn eine wahre Freude und was er studierte, studierte er gründlich. Er hatte im Sinn, sich bald in sein Heimatkloster Engelberg zurückzuziehen, wo ihm eine Professur und Expositur angeboten wurde. Diese Hoffnung nahm ihm der Tod. P. Anselm Wachter starb am 12. Juni 1907 am mit 50 Jahren.[8]

Professnummer

  • Nr. 654

Einzelnachweise

  1. Die Lebensbeschreibung wurde weitgehend vom Manuskript von Br. Meinrad Haberl (StiArEbg Professbucheinträge, mit Vorarbeiten von P. Gall Heer) übernommen.
  2. P. R. Bürcher nennt den 26. Sept.
  3. Die Zahlen dieser Aussendungskolonie werden in den dazu veröffentlichten Berichten verschiedentlich genannt. Sie schwanken zwischen 26, 35 bis 50 Personen.
  4. Nach anderen Quellen am 31. Oktober.
  5. Stud. u. Mitt., 5. Jg. 1884, S. 481-487, Titlisgrüsse, 80. Jg. Heft 1 und Mariengemeinde von Mt. Angel, S. 20.
  6. Seine Schwester Bernardine Wachter, die unter den Rickenbacher Schwestern dabei war, wurde dann Oberin der ersten Benediktinerinnen Gemeinschaft von Mount Angel; Rippinger, S. 15, 18.
  7. 50 x 100 Fuss gross.
  8. Nachruf im Obwaldner Volksfreund Nr. 55, vom 13. Juli 1907.

Bibliographie

  • Benedictus in Monte in: Titlisgrüsse, 80. Jg. Heft 1, April 1994,S. 21-25, Anm. 3 u. 5.
  • Gottwald, Benedikt: Album Engelbergense. Luzern 1882, S. 156, Nr. 654.
  • Nachrufe in der Katholischen Rundschau San Antonio, 10. Jg. Mittwoch 19. Juni 1907, und im Obwaldner Volksfreund, Nr. 55 vom 13. Juli 1907, der eine kürzere Fassung der Kath. Rundschau ist.
  • Rippinger, Joel: Struggle and Ascent. The History of Mount Angel Abbey. 2020, S. 15 und 18.
  • Souvenir 1912, Kap. Die St. Marien-Gemeinde von Mt. Angel, Oregon, S. 18-21, mit Foto von P. Anselm.
  • SMGB 4, Bd. I., 2. Abt. 1883, S. 151-152 und SMGB 5, Bd. I., 1884 S. 482-487.
  • StiArEbg Professbucheintrag nach dem Manuskript von Br. Meinrad Haberl (mit Vorarbeiten von P. Gall Heer).