Anselm Marti

Aus Kloster-Engelberg
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Anselm (Josef) Marti (* 11. Januar 1756 in Bürglen; † 11. August 1794 in Engelberg)

Lebensdaten

Profess: 23. Januar 1774

Priesterweihe: 17. Januar 1779

Primiz: 20. Januar 1779

Ämter

Archivar: 1779–1794

Krankenbruder: 1790–1794

Unterpfarrer in Engelberg: 1791–1794

Küchenmeister: 1794

Beziehungsnetz

Verwandtschaft

Sohn des Anton Marti und der Katharina Barbara Gisler.

Paten: Johann Sebastian Anton Wipfli und Josepha Arnold.

Lebensbeschreibung[1]

Das urnerische Bürglen war Heimatort der Familie Marti. Hier wurde Josef als Sohn des Schulmeisters und Organisten Anton Marti und der Katharina Barbara Gisler geboren und getauft. Sein Geburtsdatum war der 11. Januar 1756. Die Anfangskenntnisse des Lateins brachte ihm der Vater bei, der ihn dann aber an die Schule von Altdorf, und für die oberen Klassen nach Engelberg schickte. Pfarrer von Bürglen war damals Johann Sebastian Anton Wipfli, Sekretär des Waldstätter Kapitels. Der Taufschein nennt als Taufpaten den Heimatpfarrer Johann Sebastian Anton Wipfli und Josepha Arnold. Die Firmung wird nur kurz erwähnt, ohne weitere Angaben. Das Zeugnis ist datiert vom 14. Februar 1773.[2]

Als Josef sich 1772 als Kandidat für das Noviziat meldete, kam er mit fünf anderen Kandidaten vor das Kapitel, von denen nur drei angenommen wurden. Er wird als tüchtig in den Studien bezeichnet, besonders in der Musik.[3] Der Vater konnte bei seinem wenig einträglichen Beruf nur 400 flor. als Aussteuer leisten. Dafür brachte der Sohn eine gründliche wissenschaftliche Ausbildung und eine hohe Begabung für die Musik, vor allem das Orgelspiel, mit. Am 23. Januar 1774 erhielt er das Kleid des heiligen Benedikt und feierte ein Jahr darauf die Profess. Die Studien der Philosophie und der Theologie machte er im Kloster.

Alle drei höheren Weihen empfing er in Luzern durch den Nuntius Giovanni Battista Caprara, den Subdiakonat am 20. März 1778, den Diakonat am 14. Juni 1778 und die Priesterweihe am 17. Januar 1779. Die Primiz feierte er am folgenden Sonntag, am 20. Januar 1779.[4] Schon am 20. März 1779 ernannte ihn Abt Karl Stadler zum Archivar und mit dem Kanzler P. Konrad Christen zum Revisoren der Grenze.[5] Am 24. November 1786 war er Muttergotteskustos und Inspektor der Talkapellen.[6] Am 31. Oktober 1787 erhielt er durch P. Karl Stadler Grüsse von Marschall Zurlauben und erwiderte sie. Im August 1788 besuchte er mit P. Karl den kranken Marschall in seinem Zurlaubenhof in Zug.[7] Am 29. Oktober 1790 übernahm er das Amt des Krankenbruders, das viele Jahre nicht mehr besetzt war.[8] Am 27. Oktober 1791 wurde er Unterpfarrer in Engelberg und zweiter Chordirektor.[9] Ein Jahr darauf übernahm er den Orgelunterricht für die Studenten.[10] Am 1. Februar 1794 war er Küchenmeister.[11] Zum Goldenen Priesterjubiläum des Abtes Leodegar Salzmann am 2. Juni 1794 schrieb er die Musik zu P. Berchtold Villigers "Imago boni principis".[12]

Ende Juli 1794 machte er, von mehreren Seiten gedrängt, mit P. Berchtold Villiger in seiner Urner Heimat einen Besuch, obwohl er sich nicht recht wohl fühlte. Dort erkrankte er an einer schweren Durchfallerkrankung. Er ging nach Zug und Sins und erhoffte sich Erholung und Genesung. Als das Leiden immer stärker wurde, zog er den Arzt Dr. Baumgartner bei, der vorübergehend helfen konnte. Doch die Schmerzen wurden heftiger, allmählich fast unerträglich. Der Arzt erkannte die Gefahr des nahen Todes und liess den Kranken mit den Sterbe­sakramenten versehen. Nachmittags um drei Uhr am 11. August 1794 verschied P. Anselm in Gegenwart des P. Thomas Weber, des Pfarrers von Sins, und des Kaplans Huwiler.[13] Der fast gleichaltrige P. Karl Stadler, der spätere Abt, der ihn sehr schätzte, schilderte ihn als hochbegabten Mitbruder, der sich neben seinen Amtspflichten vor allem für Moraltheologie und Kirchengeschichte interessierte und sich stets weiterzubilden suchte. Dabei war er stets freundlich und liebenswürdig anderen gegenüber, streng gegen sich selbst und in der Erfüllung seiner klösterlichen Pflichten.

Trotz seines frühen Todes - er erreichte nur ein Alter von 38 Jahren - hinterliess er eine Reihe musikalischer Kompositionen.[14] Er schrieb 5 Operetten, 3 feierliche Messen, sehr viele Antiphonen und Kantilenen, sogenannte "Arien und Duette". Leider ist von all diesen Werken nichts mehr sicher nachweisbar, ausser ein Offertorium "Veni Creator Spiritus", das P. Anselm auf die oben erwähnte Sekundiz des Abtes Leodegar Salzmann 1794 für gemischten Chor, Streichquartett, 2 Klarinetten, Tromba, 2 Hörner und Orgel komponierte. P. Franz beurteilt ihn als routinierten Komponisten, der sich den Stil der damaligen auf glänzenden äusseren Effekt berechneten Kirchenmusik zu eigen machte.[15]

Werke

Ein Werkverzeichnis von P. Anselm Marti ist im RISM zu finden.

Professnummer

  • Nr. 575

Einzelnachweise

  1. Die Lebensbeschreibung wurde weitgehend von P. Gall Heer (StiArEbg Professbucheinräge) übernommen.
  2. Über Marti, vgl. Angaben im Urner Neujahrsblatt 1912, S. 90.
  3. Acta capitularia IV (Juni 1754 – Dez. 1797), StiArEbg cod. 193, S. 303.
  4. Ibidem, S. 396.
  5. Ibidem, S. 397.
  6. Ibidem, S. 443.
  7. StiArEbg Korrespondenz Zurlauben, Zug, Mappe III.
  8. Acta capitularia IV (Juni 1754 – Dez. 1797), StiArEbg cod. 193, S. 454.
  9. Ibidem, S. 459.
  10. Ibidem, S. 512.
  11. Ibidem, S. 562.
  12. Bild des guten Fürsten, Acta capitularia IV (Juni 1754 – Dez. 1797), StiArEbg cod. 193, dazu Heer, Aus der Vergangenheit, S. 355.
  13. Hess, Die Pfarrgeistlichen, S. 109 und 114.
  14. P. Franz Huber, in Festschrift "Angelo Montana", S. 426.
  15. Vogel, Catalogus biogr. S. 181, Stadler, Catalogus virorum illustrium, Cod. 275, S. 292, er bezeichnete ihn als Organisten, der seinesgleichen suchte, und dessen Spiel auch von Auswärtigen bewundert wurde. Dazu Heer, Festschrift Iso Müller, Geschichtsfreund 124, Stans 1971, S. 269. Auch Eduard Wymann (Staatsarchiv Uri) würdigte ihn als Urner in NZN 1938, Nr. 246 vom 22. Oktober im Artikel "P. Anselm Marty - ein Urner Komponist".

Bibliographie

  • Gottwald, Benedikt: Album Engelbergense. Luzern 1882, S. 136, Nr. 575.
  • StiArEbg Professbucheintrag nach P. Gall Heer.