Andreas Herrsch

Aus Kloster-Engelberg
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Andreas Herrsch (* 1536 von Aach im badischen Hegau; † 12. Juni 1600 in Engelberg)

Lebensdaten

Profess: 1559 (in Einsiedeln)

Priesterweihe: 17. März 1565

Ämter

Abt: 1592–1600

Beziehungsnetz

Verwandtschaft

Sohn: Peter.

Lebensbeschreibung[1]

Andreas Herrsch wurde 1536 in Aach im badischen Hegau geboren.[2] 1559 legte er in Einsiedeln Profess ab, erhielt am 17. März 1565 die Priesterweihe und wurde noch im gleichen Jahr Kustos. 1567 bis 1589 versah er die Klosterpfarrei Oberkirch bei Kaltbrunn SG.[3] 1592 sandte ihn sein Abt auf Betreiben der Schirmorte als Nachfolger Abt Blattmanns nach Engelberg,[4] wohin er «mit Gewalt und gezwungen ... mit grossem Widerwillen»[5] kam. Am 25. August 1592 wurde er als Abt bestätigt und am 6. September benediziert.[6] Der Konvent von Engelberg protestierte gegen diese Einsetzung eines fremden Abtes und wurde dabei von den Talleuten unterstützt.[7] Die Gültigkeit der Wahl wurde auch vom Generalvikar von Konstanz angefochten,[8] aber ohne rechtliche Folgen. Da der neue Abt zu den elf Patres kein Vertrauensverhältnis gewin­nen konnte, schickte er auf Verlangen der Schirmorte alle bis auf zwei auf auswärtige Posten.[9] Er brachte seinen Sohn Peter mit, den er auf Kosten des Klosters in Bologna studieren und auf seine Hochzeit 1599 «standesgemäss» ausstatten liess.[10] 1596 stiftete und weihte er in der Kapelle auf der Blackenalp eine Glocke und nahm im gleichen Jahr in der Kapelle von Büren NW die Glockenweihe vor.[11] 1598/99 gestatteten ihm die Schirmorte, einige unerlässliche Reparaturen an den Klostergebäuden vorzunehmen.[12] Während der ganzen Regierungszeit musste sich Abt Andreas eine ständige Einmischung der Schirmorte gefallen lassen. Zudem machten sie ihm dauernd Vorwürfe, er brauche zu viel Geld, habe keine Ordnung und handle eigenmächtig.[13] Schwerer wog die Anschuldigung, er habe alte Handschriften des Klosters teils verkauft, teils verbrannt[14] das Konventsiegel verloren[15] und durch seine Sorglosigkeit den Raub und die Beschädigung des großen Reliquienkreuzes ermöglicht.[16] 1598 wollte er resignieren. Am 12. Juni 1600 starb der wenig be­liebte Abt,[17] der bei den Engelberger Geschichtsschreibern Knüttel und Straumeyer als «Intrusus» in den Abtslisten erscheint.[18]

Einzelnachweise

  1. Die Lebensbeschreibung wurde weitgehend von der Helvetia Sacra (III I, S. 634) übernommen.
  2. StiArEbg Urkunde vom 25. August 1592. Zum Geburtsjahr vgl. ib. Urkunde vom 6. September 1592.
  3. MBH 3, S. 279. Fäh, Johann: Die Geschichte der Pfarrkirche St. Georg zu Oberkirch-Kaltbrunn 940-1940, Uznach 1940, S. 143ff.
  4. Camenzind, Erich: Weihbischof Balthasar Wurer von Konstanz, 1574-1598, und die kirchliche Reformbewegung in den V Orten, Fribourg 1968 (ZSKG, Beiheft 21), 221f. StiArEbg cod. 225, p. 445-454.
  5. StALU Brief des Abtes an Landammann Waser vom 5. Dezember 1594; Kopie in StiArEbg cod. 282, p. 548-550.
  6. StiArEbg Urkunde vom 25. August und 6. September 1592, Kopie in cod. 282, p. 488ff.
  7. StiArEbg cod. 282, p. 373.
  8. Ib., p. 494.
  9. Schon auf der Jahrrechnung im Anschluss an die Abtsweihe vom 6. September 1592, vgl. StiArEbg cod. 282, p. 483.
  10. Ib. cod. 282, p. 501 , 587; Cod. 283, p. 113.
  11. Ib. cod. 282, p. 539. Durrer, KDUn­terwalden, S. 76.
  12. Durrer, KDUnterwalden, S. 109, 117, 142.
  13. StiArEbg cod. 282, p. 559, 574, 576, 585, 594.
  14. Ib. cod. 225, p. 463; Cod. 340 (Theatrum ecclesiasticum, Artikel: Engelberg).
  15. Ib. cod. 282, p. 585.
  16. Durrer, KDUnterwalden, 155.
  17. StiBEngelberg cod. 26, f. 33v; Cod. 10, f. 11.
  18. Ib. cod. 197 (Catalogus Abbatum); Cod. 225, p. 445ff.

Bibliographie

  • De Kegel, Rolf: Andreas Herrsch, in e-HLS.
  • Gottwald, Benedikt: Album Engelbergense, Luzern 1882, S. 40.
  • Heer, Gall: Aus der Vergangenheit von Kloster und Tal Engelberg 1120–1970, S. 191-197.
  • Helvetia Sacra III I, S. 634.