Adelhelm Frei

Aus Kloster-Engelberg
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Adelhelm (Johannes) Frei (* 4. Juli 1791 in Zürich; † 7. Januar 1862 in Engelberg)

Lebensdaten

Profess: 26. Januar 1812

Priesterweihe: 9. März 1816

Ämter

Lehrer an der Stifsschule: 1816–1820?, 1824–1832, 1850–1859?

Unterpfarrer in Engelberg: 1820–1824

Pfarrer in Engelberg: 1824, 1832–1835

Küchenmeister: 1835–1862

Vikar in Maria-Rickenbach (excurrendo): 1835–1862

Frühmesser in Wolfenschiessen: 1850–1851

Beziehungsnetz

Verwandtschaft

Sohn des Jakob Leonz Frei der Mutter Marie Helena Johanna Wirth.

Paten: Johann Helbling von Rapperswil und Katharina Brun.

Firmpate: Alexander Elmiger.

Lebensbeschreibung[1]

P. Adelhelm wurde als Sohn einer Bauernfamilie geboren. Sein Vater war Jakob Leonz Frei und stammte aus dem Kanton Luzern, seine Mutter war Marie Helena Johanna Wirth. P Adelhelm wurde am 4. Juli 1791 in Zürich geboren und in Dietikon ZH auf den Namen Johann getauft. Die Geburt erfolgte deshalb in Zürich, weil die Mutter offenbar dort eben auf dem Markt war.[2] Taufpaten waren Johann Helbling von Rapperswil und Katharina Brun von Zug. Sein Firmpate war Alexander Elmiger nach dessen Aussage, wie Wilhelm Probstatt, geistlich aufgestellter Vogt von Johann Frei, bezeugte. Einen Vogt hatte er möglicherweise deshalb erhalten, weil sein Vater als Marktführer oft auswärts weilte.

Von 1807 bis 1811 war er Schüler an der Klosterschule Engelberg. Über seine Ausbildung ist im Kapitelsprotokoll nichts erwähnt. Am 29. November 1811 wurde er ins Noviziat aufgenommen und konnte am 26. Januar 1812 als Fr. Adelhelm Profess ablegen.[3] Die philosophischen und theologischen Studien machte er an der Hausschule im Kloster Engelberg. Um 1813 bis 1815 spielte er als Frater neben anderen Patres, Brüdern und Studenten, beim Theaterschauspiel "Der Räuber Moor" - nach Schillers Räuber - auf der Engelberger "Schütti" den Rebellen Karl Moor.[4]

In der Klosterkirche Muri wurde er durch den Nuntius Fabrizio Testaferrata von Luzern am 31. Oktober 1813 zum Subdiakon und am 1. November zum Diakon geweiht. Die Priesterweihe erhielt er am 9. März 1816, ebenfalls durch den Nuntius, in dessen Hauskapelle in Luzern. Der Bischof des Doppelbistums Chur–St. Gallen stellte ihm am 14. März 1816 die Zulassung zur Seelsorge in seiner Diözese aus.

Schon 1814, als er noch Frater war, wurde er zum Muttergotteskustos ernannt. P. Adelhelm begann seine Arbeit im Kloster als Lehrer an der Klosterschule. Er war ein hervorragend begabter Zeichner und pflegte dieses Fach schon in den zwanziger Jahren des 19. Jahrhunderts in der Klosterschule. Für Landschafts- und Blumenzeichnungen soll er besondere Noten vergeben haben.[5] 1819 wurde er auch Präses der Rosenkranzbruderschaft. 1820 wurde er Unterpfarrer in Engelberg und vom 24. August bis Ende Dezember 1824 war er Pfarrer ebenda. Danach war er wieder als Professor an der Klosterschule tätig. Von 1832 bis 1835 war er zum zweiten Mal Pfarrer in Engelberg. Von 1835 war er, mit wenigen Unterbrechungen, bis 1862 Küchenmeister.

So war er zwischendurch von 1840 bis Herbst 1841 Zeichnungslehrer und Rektor des 1746 erbauten Kollegiums in Sarnen, bis die Patres des aufgehobenen Klosters Muri 1841 die Kollegiumsschule übernehmen konnten. Dazu ist auch festgehalten: Landammann Spichtig erzählte Abt Adalbert von Muri, der eine neue Heimat für sein aufgelöstes Kloster suchte und zu Besuch in Sarnen weilte um, nach Wunsch der Obwaldnerischen Regierung, das verwaiste Kollegium zu übernehmen, in seiner launigen Art allerlei Einzelheiten von den "Kollegiherren". So habe er für das Schuljahr 1840/41 von Abt Eugen in Engelberg eine Aushilfe erbeten in der Person des P. Adelhelm Frei. Dieser amte jetzt als Rektor und einziger Professor im Kollegium, habe aber im Sinne, nächstens das ganze Rektorat mit der Professur an den Nagel zu hängen, um in sein Kloster heimzukehren. Das Grausen packte den Abt nach einem Besuch des heruntergekommenen Kollegiums. Im Innern hatte man alles "verlottern und verlattern" lassen. Wohlbegreiflich, dass P. Adelhelm sich nicht entschliessen konnte, im Kollegium zu wohnen, deswegen er es vorzog, bei seinen Mitschwestern zu St. Andreas zu bleiben. Laut der noch vorhandenen Abrechnung zahlte der Kollegiverwalter der Äbtissin für ihn 405 Gulden und 30 Schillinge als Entschädigung für Kost und Logis."[6]

Danach war er wahrscheinlich excurrendo Vikar während der Sommermonate 1851 und 1854 für die Wallfahrtskirche Maria-Rickenbach. Vom Herbst 1854 bis Frühling 1855 war er Frühmesser in Wolfenschiessen tätig, bis ihn Abt Plazidus Tanner für den Chor und die Stiftsschule zurückberief, wo er benötigt wurde.[7]

Dass P. Adelhelm ein sehr begabter Zeichner war, geht auch aus einem von ihm 1902 sauber und sorgfältig geschriebenen und mit schön gezeichneten Wappen eines Kopialbandes hervor. Es handelt sich um den Kopialband aus der Stiftsbibliothek Einsiedeln[8], welcher noch aus der Bibliothek des ehemaligen Karthäuserklosters Ittingen stammt. Das Werk "Compendium" des Engelberger Abtes Benedikt Keller wurde von ihm ca. 1624 geschrieben und wird auch vielfach als "Annales Keller" bezeichnet. Der Originalband wurde beim grossen Klosterbrand 1729 vernichtet. Der Karthäuserpater Heinrich Murer hatte dieses jedoch 1634 zur Verfügung gestellt bekommen und es für sein geplantes Werk benützt und kopiert. P. Ignaz Odermatt konnte 1855/1856 noch Kopien dieses Werkes, teils aus Ittingen selbst, teils aus Abschriften in Rheinau, für die Bibliothek Engelberg erwerben.[9] Ab 1859 konnte P. Adelhelm, vom Schlag getroffen, den Chor- und Altardienst nicht mehr versehen.[10] P. Adelhelm starb, 70-jährig, am 7. Januar 1862.

Professnummer

  • Nr. 597

Einzelnachweise

  1. Die Lebensbeschreibung wurde weitgehend vom Manuskript von Br. Meinrad Haberl (StiArEbg Professbucheinträge, mit Vorarbeiten von P. Gall Heer) übernommen.
  2. Taufschein: "Dietikon den 14. Juni 1801: P. Josephus Wiederkehr, parochus loci, e BVM Augugens ad lacum Mehrerau am Bodensee".
  3. Omlin, Die Geistlichen Obwaldens, S. 258, nennt den 12. Januar als Professtag.
  4. Titlisgrüsse 9/1, März 1923, S. 6-9.
  5. Hess, Geschichte der Klosterschule, S. 71.
  6. Fuchs, Abt Adalbert Regli, in: Obwaldner Geschichtsblätter 5, Sarnen 1945, S. 42-43.
  7. Der spätere Abt Leodegar Scherer schrieb in seinen Erinnerungen, als er im Herbst 1850 mit 10 Jahren an die Klosterschule kam: "Man wollte es mit mir in der ersten Lateinklasse probieren, allein es zeigte sich bald, dass ich viel zu wenig Vorkenntnisse dafür besass, da ich noch nicht die vierte Primarklasse vollendet hatte. Deshalb wurde für mich und noch zwei andere Mitzöglinge eine deutsche Klasse konstituiert und ihr auch ein ausserordentlicher Lehrer gegeben in der Person des P. Adelhelm Frei, eines sechzigjährigen Mannes und schon seit fünfzehn Jahren Küchenmeister. Er war so recht der Typus eines gemütlichen und bedächtigen Luzerners und demgemäss bewegte sich auch bei ihm unser Lehr- und Erziehungsgang. Da wir für die damals allgemein übliche deutsche Sprachlehre von Wurst und für den kalligraphischen Unterricht – obgleich P. Adelhelm eine sehr schöne Handschrift führte, vorzüglich zeichnete und prächtige Aquarelle malte – zu wenig Freude und Lernbegierde zeigten, so half er hie und da mit einem 'Kräpfli' nach und so gelangten wir mit ihm glücklich ans Ende des Schuljahres." Vgl. Hess, Abt Leodegar Scherer von Engelberg – Erinnerungen, in: Gedenkblätter für die Freunde u. Zöglinge der Stiftsschule, 1915, S. 9.
  8. Cod. 470.
  9. Heer, Vergangenheit, S. 218 und StiArEbg cod. 340, ungedr. Werk des Ittinger Karthäusers P. Heinrich Murer, unpaginiert.
  10. Nachruf in der Schweizerischen Kirchen-Zeitung Nr. 6, 18. Januar 1862.

Bibliographie

  • Gottwald, Benedikt: Album Engelbergense. Luzern 1882, S. 141, Nr. 597.
  • Heer, Gall: Aus der Vergangenheit von Kloster und Tal Engelberg, 1975, S. 218.
  • Odermatt, Ignaz: Der Konvent von 1819, in: Titlis Grüsse 56, 1969/70, S. 17.
  • StiArEbg Professbucheintrag nach dem Manuskript von Br. Meinrad Haberl (mit Vorarbeiten von P. Gall Heer).