Adelhelm Amrhein

Aus Kloster-Engelberg
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Fr. Adelhelm Amrhein 1908.

Adelhelm (Anton) Amrhein (* 1. November 1884 in Obbürgen; † 11. Februar 1956 in Engelberg)

Lebensdaten

Profess: 8. Oktober 1905

Priesterweihe: 2. Juni 1908

Ämter

Unterpfarrer in Engelberg: 1908–1913?

Lehrer an der Stiftsschule: 1908–1933

Lehrer der Fratres: 1913–1956

Zeremoniar: 19?–19?

Küchenmeister: 1922–1947

Beziehungsnetz

Verwandtschaft

Sohn des Josef Anton Amrhein und der Klara Barmettler.

Lebensbeschreibung[1]

P. Adelhelm stammte aus einfachen Verhältnissen: Am 1. November 1884 wurde er in Obbürgen (Nidw.) geboren und auf den Namen Anton getauft. Sein Vater war Posthalter im Dorf. Altersgenossen berichteten, dass der "Posttoni" bei gelegentlichem Hosenlupf Kräfte und Behendigkeit bewies, die einem heutigen Kranzschwinger zur Ehre gereicht hätten. Als er dann in das Gymnasium seiner Heimatgemeinde Engelberg eintrat, da brachte er neben einer ungewöhnlich klaren Auffassungsgabe und zähem Fleiss auch hervorragendes Talent für Gesang und Theaterspiel mit. Beweis dafür waren vor allem die unüberbietbaren Gebärden und Künste, mit denen er im Jahre 1900 die Hexe in Humperdincks Oper "Hänsel und Gretel" spielte. Die sechs Jahre der damaligen Stiftsschule durchlief Anton mit bestem Erfolg und holte sich darauf die philosophische Bildung in einem Jahreskurs an der Universität Fribourg.

Dann aber zog es ihn zurück nach Engelberg. Mit dem späteren P. Sigisbert Cavelti begann er 1904 das Noviziat, legte 1905 Profess ab und empfing 1908 die Priesterweihe. Der vielversprechende junge Pater wurde sofort in die verschiedenen klösterlichen Aufgaben eingespannt: als Unterpfarrer in Engelberg bewährte er sich besonders durch seine sprachgewaltigen und eindrucksmächtigen Predigten. Als Zeichnungslehrer lehrte er während 25 Jahren die Kunst präziser perspektivischer Wiedergabe von Naturgegenständen; daneben entwarf er die Programme der vielen Unterhaltungen im Grossen Saal, die noch heute davon zeugen, in welch barocker Mannigfaltigkeit er die Festgedanken zeichnerisch auszudrücken vermochte. In diese Zeit fällt auch sein Wirken als Subpräfekt, das schon erwähnt wurde. Manch einer seufzte oder schimpfte über sein strenges Regiment, und sein gedehntes "Knie hinaaus" ertönte nicht selten aus Studentenmund während der freien Zeit.

Inzwischen war aber im Leben P. Adelhelms eine tiefgreifende Änderung eingetreten: ein heimtückisches Kehlkopfleiden war trotz vieler ärztlicher Bemühungen unheilbar geblieben. Es war für ihn ein grosses Opfer, im Alter von ungefähr 30 Jahren für immer auf die gesamte Teilnahme am Mönchschor, auf jedes Singen als Zelebrant oder Diakon, auf alle Predigttätigkeit zu verzichten, und auch das Sprechen in der Schule nur mit Schwierigkeiten und unter vielen Schmerzen vollziehen zu können. Er zog sich auch mehr und mehr von gemütlichen Anlässen zurück; sein sprühender Humor wich einem tiefen Lebensernst, der sich noch erhöhte, als im Herbst 1918 P. Sigisbert durch die Spanische Grippe starb.

Ein grosser Trost war es für den in seiner Tätigkeit gehemmten, aber immer noch arbeitshungrigen Mann, dass ihm die Klosteroberen im Jahr 1913 den Lehrstuhl der Dogmatik an der theologischen Hausschule übertrugen, den er bis zu seinem Lebensende innehielt. Den Mangel an theologischer Hochschulbildung, der in seiner Lehrmethode spürbar war, suchte er durch unermüdliche Lektüre der einschlägigen Literatur aufzuheben. Er bot auch den Schülern eine unglaubliche Fülle an Stoff, die trotz des klaren Aufbaus für manchen nicht leicht zu bewältigen war. Aber am Schluss der Traktate vermittelte er stets eine alles verbindende Zusammenschau, sowie praktische Anwendungen für das eigene Innenleben und für die Seelsorge, wie er sie durch liturgisch-aszetische Lesung und Betrachtung erarbeitet hatte.

P. Adelhelm war ausserdem 14 Jahre Zeremoniar im Kloster. Seine eiserne Haltung und sein dominierender Blick brachten in das liturgische Geschehen Linie und Ruhe hinein und garantierten eine würdige Feier. Von 1922 bis 1947 war er Küchenmeister, was zur Zeit der Lebensmittelrationierung während des Zweiten Weltkriegs leistete, keine einfache Sache war. Als aufs Wesentliche und Traditionelle gerichteten Verstandesmenschen schaute er in Fragen der Menus mehr auf den Nährgehalt der Speisen als auf Feinschmeckerei. In den letzten Jahren verursachte ihm ein heimtückisches Nieren- und Magenleiden schwere Kopfschmerzen und andere Beschwerden, die er ertrug, ohne sich von irgendwelchen seiner Pflichten zu dispensieren. Er nahm morgens um halb fünf Uhr an der Betrachtung der Laienbrüder teil und stets öffnete sich seine Zellentüre augenblicklich, wenn die Klosterglocke zu irgendwelchen Übungen rief. Noch konnte er im Herbst 1955 das goldene Professjubiläum feiern. Aber zu Ende des Jahres traten schwere Magenblutungen ein, die seine Überführung ins Sanatorium nötig machten. Er unterzog sich noch einer schweren Operation, die aber sein geschwächter Körper nicht mehr zu überstehen vermochte. Er starb am 11. Februar 1956.

Professnummer

  • Nr. 692

Einzelnachweise

  1. Die Lebensbeschreibung wurde weitgehend vom Nachruf in den Titlisgrüsse 42, 1955/56, S. 49-52, übernommen.

Bibliographie

  • Nachruf P. Adelhelm Amrhein, in: Titlisgrüsse 42, 1955/56, S. 49-52.